Vorerst keine weiten Reisen mehr

Nach 11 Jahren in ver­schie­de­nen Positionen (als Student, wis­sen­schaft­li­cher Mitarbeiter, Doktorand, Postdoktorand) und an ver­schie­de­nen Unis (in Mittweida, Peking, Freiberg und Tianjin) ha­be ich die „aka­de­mi­sche Welt“ hin­ter mir ge­las­sen und bin in die Wirtschaft ge­wech­selt, denn seit dem 01. Oktober ar­bei­te ich hier in München bei ei­ner Beratungsfirma.

Entsprechend wer­de ich mi­ch vor­er­st auch nicht mehr in den Flieger auf den Weg nach Peking oder Tianjin ma­chen, son­dern mi­ch (fast) je­den Morgen in die U-Bahn nach Sendling set­zen, den Münchner Stadtteil, wo ich ar­bei­te.

Und wieder zurück – diesmal für länger

Am Mittwoch hieß es vor­er­st von Tianjin Abschied zu neh­men – die Heimreise nach München (wo ich schon seit Anfang September ge­mel­det bin) stand an. Nach ei­nem hal­ben Tag im Büro ha­be ich mi­ch mit et­was mehr als 20 kg Gepäck auf den Weg zum Pekinger Flughafen ge­macht, al­ler­dings mit ei­ni­gen Stopps.

Zunächst ging es mit dem Zug zum Pekinger Südbahnhof und von dort dann per U-Bahn in die Nähe des Seidenmarktes, wo ich für mei­nen neu­en Job no­ch ein­mal sechs Hemden in Auftrag ge­ge­ben hat­te. Dort hat mi­ch dann ein chi­ne­si­scher Freund mit sei­nem Auto ab­ge­holt und wir sind wie­der in den Süden Pekings ge­fah­ren, um mit ei­nem sei­ner Freunde ge­mein­sam Abend zu es­sen. Dafür wa­ren wir in ei­nem sehr net­ten und auch al­ten is­la­mi­schen Restaurant es­sen, des­sen Spezialität Innereien von Kälbern sind.

Im Anschluss wur­de ich dann no­ch zum Flughafen ge­fah­ren, wo ich ei­gent­li­ch deut­li­ch zu zei­tig war. Dann dau­er­te es aber vor al­lem bei der Sicherheitskontrolle deut­li­ch län­ger als ge­plant und so konn­te ich nach ei­nem Gang durch den Duty-Free-Shop ei­gent­li­ch di­rekt ein­stei­gen.

Der Flieger war dann pünkt­li­ch halb sechs in München und ich trotz ei­ner mi­ni­ma­len Befragung beim Zoll auch recht flott, so dass ich vier­tel acht schon zu Hause war und so­gar mit Stefanie ge­mein­sam früh­stü­cken und sie da­na­ch zur U-Bahn brin­gen konn­te.

Das ist nun mitt­ler­wei­le schon wie­der an­dert­halb Tage her und ich bin schon wie­der ganz gut hier an­ge­kom­men, wenn man mal da­von ab­sieht, dass es für mi­ch ein­fa­cher ist, mor­gens um fünf auf­zu­ste­hen, als am Abend bis um zehn wach zu blei­ben – aber das wird si­ch auch ganz schell än­dern.

Die letzten Schritte auf dem Weg zum neuen Visum

Nachdem ich mein Visum – bzw. genauer gesagt meine Aufenthaltsgenehmigung – bereits im Juli verlängern wollte, ist es mir jetzt vermutlich endlich gelungen. Zumindest hatte ich am Montag alle Unterlagen zusammen und konnte diese beim Entry-Exit-Office hier in Tianjin abgeben, nächsten Montag sollte ich dann meinen Ausweis mit dem neuen Visum abholen können.

Das Ganze hat sich zum einen deswegen solange hingezogen, weil man sein Visum erst kurz vor dem Auslaufen verlängern darf. Und zum anderen, weil das Studium erst diese Woche wieder begonnen hat und daher letzte Woche noch sehr wenige Professoren und Angestellte der Uni da waren – so habe ich einfach die benötigten Unterschriften nicht zusammen bekommen. (Das ist hier aber ganz normal, in den knapp zwei Monaten Semesterferien sollte man besser keine dringenden Anliegen haben.)

Auf alle Fälle war ich recht happy als ich meine Unterlagen für das neue Visum abgeben konnte und bin daher nicht direkt zurück zur Uni, sondern ein paar Meter in ein kleines Viertel mit (zumindest dem Aussehen nach) alten Kolonialbauten der Italiener gegangen.

So am Morgen war es dort aber noch sehr ruhig, von ein paar chinesischen Touristen mal abgesehen. Das Viertel liegt nah am Hai-Fluss, der sich durch Tianjin windet, und so habe ich auch diesen noch überquert und war im Anschluss das erste Mal in meinem Leben bei Wal Mart. Nicht, dass ich etwas gebraucht hätte, nur mal so. Gab dann auch nicht viele Überraschungen, sehr ähnlich wie die Supermärkte von Carrefour, die es doch recht häufig hier gibt, wobei der Wal Mart vielleicht ein klein wenig aufgeräumter ist.

Wieder zurück in Tianjin

Zum zu­min­dest für die­ses Jahr letz­ten Mal bin ich am Donnerstag in Tianjin an­ge­kom­men, al­les wie ge­wohnt oh­ne grö­ße­re Probleme: Landung in Peking, U-Bahn-Fahrt zum Südbahnhof, Zugfahrt nach Tianjin, U-Bahn-Fahrt in die Nähe der Uni und no­ch 10 Minuten zu Fuß, was auf­grund mei­nes doch recht leich­ten Koffers – au­ßer (flüs­si­gen) Gastgeschenken nur et­was Zeitung so­wie Schlafsack und Matraze – auch recht ent­spannt war.

Ich bin kurz vor Mittag hier an­ge­kom­men und da­her war ich nach kur­zer Zeit schon un­ter­wegs zum Mittagessen. Ein Weilchen nach­dem ich wie­der zu­rück war, kam auch mein Professor ins Institut und hat mi­ch gleich auf­grund mei­ner Rückkehr und der Hochzeit auf ei­nen Schnaps ein­ge­la­den. Es muss wohl doch eher die Hochzeit ge­we­sen sein, denn als ich son­st hier an­ge­kom­men bin (letz­ten Oktober, im Januar, im Juni) gab es nicht so ei­ne „Begrüßung“.

Auf al­le Fälle gab es chi­ne­si­schen Reisschnaps (ca. 50 %) und da­zu klei­ne Päckchen mit ein­ge­leg­ten Fisch. Der Fisch war zwar sehr le­cker und wir hat­ten auch ewig vie­le Packungen da­von, aber zum Schnaps – ins­ge­samt wohl mehr als ein Pappbecher pro Person – doch zu we­nig. Schließlich trin­ken die Chinesen ja aus gu­tem Grund den Schnaps di­rekt zum Essen: da­durch kann man ei­ner­seits mehr es­sen und an­de­rer­seits mehr trin­ken. Wir ha­ben al­so ge­gen die­ses Gebot so­zu­sa­gen ver­sto­ßen und ent­spre­chend un­pro­duk­tiv war dann un­ser bei­der Nachmittag.

Am dar­auf­fol­gen­den Abend wa­ren wir dann no­ch ge­mein­sam mit sei­ner Frau Abendessen und da ha­ben wir of­fen­sicht­li­ch zu we­nig ge­trun­ken, auf al­le Fälle blie­ben ei­ni­ges an Essen üb­rig – aber trotz lan­ger Abwesenheit aus China konn­te ich ein­fach nicht mehr.

Was gibt es son­st no­ch zu sa­gen? Hier an der Nankai-Universität ist von Tag zu Tag mehr los, Anfang nächs­ter Woche star­tet das Semester of­fi­zi­ell. Eigentlich be­ginnt es im­mer schon Anfang September, aber die­ses Jahr wur­de es ver­mut­li­ch ver­scho­ben, weil ak­tu­ell das Mittherbstfest statt­fin­det. Da wird der Herbstvollmond be­wun­dert und es wer­den Mondkuchen ge­ges­sen.

Vor zwei Jahren, als wir ge­ra­de wie­der in China an­ge­kom­men wa­ren, ha­ben wir das Fest zu­sam­men mit Wiebke und ih­rer Familie in Nandaihe ver­bracht – mit ei­nem wirk­li­ch rie­si­gem Vollmond über dem Meer.  Letztes Jahr wa­ren wir in München und Stefanie hat­te ge­ra­de be­gon­nen dort zu ar­bei­ten. Und die­ses Jahr sit­ze ich al­so hier in Tianjin im Büro – mal se­hen was dann nächs­tes Jahr an­steht, wenn das Mittherbstfest am 27. September (im­mer der 15. Tag des ach­ten Monats nach dem Mondkalender) statt­fin­det.

Auf al­le Fälle wün­sche ich al­len ein fröh­li­ches Mittherbstfest:
中秋节快乐!

Eine Art Fehlerbild

Vorgestern hat mir mein Kollege vom Center for Combinatorics das Gruppenbild der Konferenz zu­ge­schickt, die am Ende mei­nes vor kur­zem zu Ende ge­gan­ge­nen Aufenthaltes dort statt­fand.

Zwar ha­be ich mi­ch schon lan­ge dar­an ge­wöhnt, der ein­zi­ge Ausländer am Institut zu sein – und es hat ja auch den ei­nen oder an­de­ren Vorteil – aber et­was ko­mi­sch sieht es doch aus, ge­ra­de auf sol­chen Fotos. Also: Sucht den Fehler.

Gruppenfoto Konferenz 2014-07

Von Tianjin nach München bzw. von der Uni in die Wirtschaft

Am Montagnachmittag bin ich wie­der in München an­ge­kom­men und ha­be da­mit den (zu) hei­ßen Tianjiner Sommer ge­gen den (zu) kal­ten Münchener Sommer ge­tauscht. Es ist aber auch mal wie­der schön oh­ne Klimaanlage schla­fen zu kön­nen.

Auch wenn ich im September no­ch ein­mal nach China und Tianjin zu­rück­keh­ren wer­de – und zwar vom 03. bis 25. September, da gab es den Hin- und Rück-Direktflug mit Air China für nur 584 Euro – so hat mir doch der Rückreise-Sonntag ir­gend­wie schon ge­zeigt, wo­hin es lang­fris­tig geht: Von der Uni mit ih­ren Konferenzen in das Arbeitsleben in der Wirtschaft mit ih­ren Anzugsträgern, zu de­nen ich dann auch ge­hö­re.

Zunächst hat­ten wir seit Freitag ei­ne grö­ße­re Konferenz in Tianjin, zu der Chinesen aus ganz China und auch aus dem Ausland an­ge­reist wa­ren. Ich bin dann am Sonntag schon et­was eher dort weg, no­ch ein­mal in mei­ne Wohnung um mei­ne Sachen zu schnap­pen und dann mit dem Zug nach Peking zu fah­ren.

Mein Flug ging zwar er­st am Montagmorgen 2 Uhr, wes­we­gen ich ei­gent­li­ch no­ch deut­li­ch län­ger hät­te in Tianjin blei­ben kön­nen, aber ich mus­s­te in Peking no­ch mei­ne Sachen beim Schneider ab­ho­len. Denn in Vorbereitung auf mei­ne Anstellung in München (ab Anfang Oktober) ha­be ich mi­ch mit Anzügen und Hemden ein­ge­deckt.

Auf dem Weg vom Schneider (an der Guanghualu) zum Flughafen ging es dann mit dem Taxi den drit­ten Ring ent­lang, vor­bei an den zahl­lo­sen Hochhäusern des CBD und von Sanyuanjiao. Am Abend mit no­ch ei­ni­gen Büros er­leuch­tet ein ganz net­ter Anblick und ir­gend­wie schien es für mi­ch in dem Moment schon ir­gend­wie das Symbol mei­ner neu­en Arbeit zu sein, ge­ra­de im Gegensatz zu den doch deut­li­ch fla­che­ren Gebäuden in der Nankai-Universität, durch die ich mi­ch in den vier Wochen zu­vor meist be­wegt hat­te.

 

Fußballwochenende

Samstag, 21:30:

Dieses Wochenende geht al­so die WM zu Ende, von der ich hier si­cher­li­ch we­ni­ger ge­merkt ha­be, als wenn ich in Deutschland ge­we­sen wä­re. Geplant war ja ei­gent­li­ch, dass ich das niederländisch-deutsche Finale ge­mein­sam mit ei­nem nie­der­län­di­schen Freund in Peking schaue. Daraus ist lei­der nichts ge­wor­den, statt­des­sen ste­hen jetzt wohl zwei Spiele auf dem Plan.

Den heu­ti­gen Tag ha­be ich zu­nächst ganz nor­mal ver­bracht und war bis ge­gen halb acht im Büro. Danach bin ich nach Hause und ha­be ein paar Sachen für die kom­men­den zwei Tage ein­ge­packt. Aber nicht zu vie­le, es hat no­ch al­les in Stefanies klei­nen 10 Liter Rucksack ge­passt.

Dann bin ich zum Bahnhof, ha­be mir ein Ticket ge­kauft und jetzt sit­ze ich ge­ra­de im Zug nach Peking. Der wird zehn Minuten nach Zehn dort sein, da blei­ben al­so im­mer no­ch knapp sechs Stunden bis zum Anpfiff, denn das Spiel wird ja hier er­st vier Uhr mor­gens an­ge­pfif­fen – da soll­te die Dämmerung schon ein­set­zen. Wie ich so lan­ge wach blei­ben soll, ist mir no­ch re­la­tiv un­klar, aber da wird si­ch schon was fin­den.

Ich den­ke mal nach dem Spiel geht es di­rekt zu Bryan, dem Niederländer, nach Hause und mor­gen wird et­was län­ger ge­schla­fen.

Sonntag, 02:15:

Bald ist es so weit, nur no­ch 45 Minuten bis zum Spiel. Wir ha­ben zu­nächst ein we­nig bei Bryan rum­ges­sen und ge­quatscht, zwei Freude von ihm wa­ren auch da. Dann sind wir raus und woll­ten in ei­ne Bar, ha­ben uns aber dann doch für den Stäbchen-Laden gleich um die Ecke ent­schie­den.

Dort woll­ten wir ei­gent­li­ch nur ein Bier trin­ken, ich woll­te aber sehr ger­ne ir­gend­was be­stel­len, was ich dann auch aus­rei­chend ge­tan ha­be. Nachdem ir­gend­wann das gan­ze Fleisch und Brot (auch ge­grill­ter Honig-Toast, sehr le­cker) al­le war, sind wir ge­ra­de wie­der bei Bryan rein.

Jetzt wol­len die an­de­ren wohl wirk­li­ch no­ch ein klei­nes Schläfchen bis zum Spiel ma­chen. Bin mal ge­spannt, ob dann wirk­li­ch je­mand auf­steht. Mich müs­sen sie dann auf al­le Fälle we­cken, denn ich schla­fe im Wohnzimmer auf der Couch, wo auch der Fernseher steht.

Sonntag, 05:12:

Sehr gut, die Niederlande sind al­so da­bei zu ge­win­nen. Ich ha­be aber ehr­li­ch ge­sagt ge­schla­fen und ich ver­mu­te, al­le an­de­ren hier auch. Oder woll­te man mi­ch nicht we­cken und hat auf dem Laptop ge­schaut? Das fin­de ich spä­ter raus, er­st wird wei­ter ge­schla­fen. Gute Nacht.

Montag, 02:06:

Das Finale steht an und ich hof­fe, dann no­ch wach zu sein. Zwar ha­be ich nach mei­nem letz­ten Eintrag no­ch lan­ge hier rum­ge­le­gen, aber dau­er­haft ge­schla­fen eher nicht mehr. Gegen 2 Uhr Nachmittags sind wir dann raus um Mittag zu es­sen und da­na­ch war ich beim Schneider um mei­ne drei neu­en Abzüge an­zu­pro­bie­ren. Im Anschluss bin ich dann wie­der zu Bryan in die Wohnung, schließ­li­ch wa­ren es no­ch 9 Stunden bis zum Spiel.

Ich ha­be dann er­st ei­nen Film ge­schaut und mi­ch dann ge­gen 10 Uhr mit Zhou Wei ge­trof­fen und no­ch ein paar Stäbchen ge­ges­sen. Danach sind wir durch Sanlitun spa­ziert, aber es war trotz­dem no­ch viel Zeit. Daher ist er jetzt mit ei­nem an­de­ren Deutschen in des­sen Wohnung und ich bin zu­rück zu Bryans Wohnung, wo ich, als ich ge­ra­de ins Haus ge­hen woll­te, auch auf ihn und sei­ne Freundin ge­sto­ßen bin. Wir wer­den al­so ver­su­chen no­ch 45 Minuten wach zu blei­ben und dann das Spiel hier zu schau­en.

Montag, 23:00:

Es hat ge­klappt und ich ha­be es so­gar li­ve ge­se­hen – die deut­schen Fußballer sind Weltmeister ge­wor­den. Zunächst ha­be ich das Spiel mit Bryan und sei­ner Freundin ge­se­hen, bis die si­ch dann nach der re­gu­lä­ren Spielzeit schla­fen ge­legt ha­ben – da war es ja auch schon fast um fünf. Ich ha­be dann al­lei­ne wei­ter ge­schaut und bin ir­gend­wie auch wach ge­blie­ben, nach dem Tor des Spieles so­wie­so.

Nach dem Spiel ha­be ich mi­ch hin­ge­legt, bin dann aber et­was mehr als zwei Stunden spä­ter auf­ge­stan­den um zu­rück nach Tianjin zu fah­ren. Hier bin ich dann kurz nach Zehn an­ge­kom­men, war ein we­nig im Büro und bin da­na­ch in mei­ne Wohnung um zu du­schen und – ja, ich ha­be ge­macht, was ich son­st nie ma­che – ein klei­nes Mittagsschläfchen zu ma­chen.

Am Nachmittag war ich wie­der im Büro bis Prof. Li auf die Idee kam mit ei­nem an­de­ren Professor, sei­ner Frau und mir es­sen zu ge­hen. Der Schnaps hielt si­ch aber (zum Glück) in Grenzen – wir ha­ben ja am Wochenende Konferenz hier, da gibt es aus­rei­chend. Trotzdem ist da­na­ch zu­ge­ge­be­ner Maßen nicht mehr viel ge­wor­den und nun sit­ze ich auch schon am Ende die­ses ver­län­ger­ten Fußballwochenendes auf dem Bett in mei­ner Wohnung und wer­de gleich mal ver­su­chen et­was Schlaf der letz­ten Tage nach­zu­ho­len.

Halbzeit

Am Wochenende war be­reits Halbzeit von Stefanies vier­wö­chi­ger Dienstreise und mei­nem eben so lan­gen Aufenthalt hier in Tianjin. Grund ge­nug, uns mal in Peking zu tref­fen — Stefanie hat­te doch tat­säch­li­ch mal an­dert­halb Tage frei — und ge­mein­sam mit ein paar Freunden ei­nen lus­ti­gen Abend zu ver­brin­gen.

Bei „Halbzeit“ den­ken ja im Moment ja fast al­le an Fußball, ich si­cher­li­ch auch oft, aber das war es dann auch schon. Denn mit dem Fußball an­schau­en ist es doch et­was schwie­rig, da die Spiele hier vier Uhr mor­gens zu se­hen sind. Zumal ich in mei­ner Wohnung kein Fernsehn oder Internet ha­be und ent­we­der ins Institut oder wo­an­ders hin müss­te.

Entsprechend muss ich auch zu­ge­ben (eben­so wie Stefanie), dass ich die­se Nacht kein Fußball ge­schaut habt. Als ich vor­hin no­ch ah­nungs­los ins Büro bin hat mir al­ler­dings ein Chinese gleich zum Sieg der deut­schen Mannschaft gra­tu­liert und die Tore die­ses wohl als his­to­ri­sch zu be­zeich­nen­den Spieles ha­be ich mir ge­ra­de im Internet an­ge­se­hen.

Außerdem konn­te ich fest­stel­len, dass auch das Jahr 2014 und spe­zi­ell das aka­de­mi­sche Jahr 2014 in China in Kürze Halbzeit hat. Sprich, ich bin mal wie­der hier an­ge­kom­men,  wenn al­le an­de­ren ge­hen. Schon nach Weihnachten war ich kurz vor dem Neujahrsfest hier an­ge­kom­men als si­ch al­le Studenten auf den Weg in ih­re Heimat ge­macht ha­ben. Und ähn­li­ch ist es auch jetzt – die Sommerpause steht an.

Auf dem Weg zurück

Nach knapp zwei Monaten in München bin ich nun wie­der auf dem Weg nach Tianjin, um zu­min­dest no­ch ein­mal ei­nen Monat dort vor Ort zu ar­bei­ten und hof­fent­li­ch no­ch das ei­ne oder an­de­re klei­ne­re Forschungsprojekt ab­zu­schlie­ßen.

Eigentlich soll­te ich auch schon fast dort an­ge­kom­men bzw. zu­min­dest in Peking sein, al­ler­dings gab es an mei­nem Flieger, der ges­tern 16:35 Uhr star­ten soll­te, ei­ni­ge tech­ni­sche Probleme. Deren Behebung zog si­ch Stunde um Stunde hin bis ir­gend­wann klar war, dass es doch nichts wird. So ha­be ich dann den Abend am Gate und die er­s­te Stunde des heu­ti­gen Tages am Ticketcounter ver­bracht bis al­les um­ge­bucht war und es per Taxi in ein Hotel in der Nähe des Flughafen (Mercure in Aufkirchen) ging.

Jetzt ist al­so der zwei­te Versuch, bei dem es mit Etihad über Abu Dhabi nach Peking ge­hen soll (an­statt per Qatar über Doha wie ur­sprüng­li­ch ge­plant). Morgen früh Peking-Zeit soll­te ich es dann aber nach China ge­schafft ha­ben und in rund 24 Stunden dann in mei­nem Büro in Tianjin sit­zen.

Bleibt no­ch die in den letz­ten Tagen oft ge­hör­te Frage, ob ich mi­ch ei­gent­li­ch freue wie­der nach China zu kom­men. Die lässt si­ch gar nicht so ein­fach be­ant­wor­ten: Einerseits ha­be ich mi­ch in München sehr gut ein­ge­lebt und die Stadt hat auch ein paar Vorteile ge­gen­über Peking und Tianjin – Stichwort „Luftqualität“ und so wei­ter. Andererseits freue ich mi­ch auch wie­der auf mei­ne Arbeit in Tianjin, die feh­len­den Ablenkungen und Möglichkeit si­ch auf die Mathematik zu kon­zen­trie­ren.

Ich den­ke die­sen viel­leicht letz­ten Monat als Postdoc in China wer­de ich no­ch ein­mal ge­nie­ßen, zu­mal ja Stefanie auch ge­ra­de das Reich der Mitte er­kun­det (bzw. des­sen Fabriken) und wir da­her die Möglichkeit ha­ben uns im­mer mal wie­der zu se­hen, ei­ne et­was an­de­re Art der „Wochenendbeziehung“.

Nicht nur zu Besuch

Seit mehr als ei­nem Monat bin ich nun in München und gleich in den ers­ten Tagen hat si­ch her­aus­ge­stellt, dass ich nach dem Sommer auf Dauer hier sein wer­de. Denn zum 01. Oktober fan­ge ich bei ei­ner IT- und Unternehmensberatung hier an.

Das Ganze ging wirk­li­ch sehr schnell: Am Freitag war ich ge­lan­det, am Montag war das Vorstellungsgespräch, am Dienstag ha­be ich das te­le­fo­ni­sche Angebot be­kom­men und am Mittwoch lag der Vertrag be­reits im Briefkasten. Ich freue mi­ch schon auf die­se neue Herausforderung, ob­wohl da­durch so­wohl die Zeit der Forschung als auch die Zeit in China ein im­mer nä­her kom­men­des Ende hat.

Aber no­ch ist es ja ein Weilchen und ich den­ke, dass ich in den ver­blei­ben­den Monaten no­ch ei­ni­ge an­ge­fan­ge­ne Dinge zu Ende brin­gen kann, auch da­mit ich dann den Kopf für Neues frei ha­be. Der nächs­te Flug nach China steht auch schon fest, am 23. Juni flie­ge ich nach Peking und wer­de dann für vier Wochen an der Uni in Tianjin sein.

Wieso ge­ra­de zu die­ser Zeit und ge­ra­de vier Wochen? Weil Stefanie ei­nen Tag zu­vor auch für vier Wochen nach China star­tet um si­ch ei­ni­ge Fabriken an­zu­schau­en. Sie hat so­gar ei­ne Fabrik in Tianjin auf ih­rer Liste und ich freue mi­ch schon sehr dar­auf ihr dann auch mal mei­ne Uni und mei­nen Arbeitsplatz zu zei­gen und sie mei­nem Betreuer Prof. Li und mei­nem Kollegen Prof. Shi vor­zu­stel­len. Wenn das kein Anlass für ein klei­nes ge­mein­sa­mes Abendessen ist …