Heiliger Berg und heiliger Ort

Unse­re klei­ne Rei­se in die Pro­vinz Shan­dong liegt nun schon mehr als zwei Wochen zurück, trotz­dem wol­len wir noch ein paar Zei­len zu unse­ren Erleb­nis­sen vor Ort schrei­ben. Nach einer etwa fünf­stün­di­gen Bus­fahrt von Don­gy­ing, wo am 31. März die Hoch­zeit statt­fand, sind wir gut in Tai’an ange­kom­men. Bereits auf der Fahrt bei schöns­tem Früh­lings­wet­ter konn­te man schon die Ver­än­de­run­gen des Land­schafts­bil­des sehen. Bis schließ­lich in Tai’an das gesam­te Berg­pan­ora­ma ein­schließ­lich des hei­li­gen Ber­ges Tai vor uns lag.

Am Tag danach haben wir in aller Ruhe die 6660 Stu­fen zum Gip­fel des Berg Tai erklom­men. Die letz­ten Höhen­me­ter auf den ca. 1500 m hohen Berg raub­ten uns dann doch etwas Kraft. Oben ange­kom­men konn­te man aber schon etwas stolz auf alle umlie­gen­den Gip­fel schau­en. Da der Son­nen­auf­gang auf dem Gip­fel als beson­ders wich­tig und sehens­wert gilt, haben wir auf dem Gip­fel übernachtet.

Nach dem Auf­ste­hen gegen 5.30 Uhr konn­ten wir sehen, dass es wirk­lich ein beson­de­res Erleb­nis sein muss, denn über Nacht ist die Anzahl der „Gip­fel­stür­mer” um eini­ges gestie­gen, so dass auf dem Gip­fel nicht wirk­lich hei­li­ge Ruhe herrsch­te, son­dern man um einen Platz mit guter Aus­sicht kämp­fen muss­te. So vie­le Men­schen hat­ten wir wirk­lich nicht erwar­tet, eini­ge hat­ten sogar über Nacht gezel­tet, das hat­ten wir in Chi­na so noch nicht erlebt. Als sich dann aber die Son­ne aus dem Dunst des Tales erhob, war es doch ein sehr bewe­gen­der, anmu­ti­ger Moment.

Nach einem aus­gie­bi­gen Früh­stück auf unse­rem gemein­sa­men Käm­mer­lein haben wir uns an den Abstieg gemacht. Lei­der muss man sagen, dass das Abstei­gen auf den stei­len Trep­pen­stu­fen noch etwas anstren­gen­der war, als das Auf­stei­gen, noch dazu stie­gen tau­sen­de Chi­ne­sen mit uns hin­ab. Nach einer Wei­le ver­teil­ten sich die Men­schen­men­gen und es wur­de ein rich­tig schö­ner, fast som­mer­li­cher Wan­der­tag. Ab der Mit­tel­sta­ti­on sind wir dann die etwas abge­le­ge­ne­ren Rou­te, die teil­wei­se sehr ein­sam durch den Wald ver­läuft, gegangen.

Am nächs­ten Tag haben wir noch Qufu, die ehe­ma­li­ge Wohn­stät­te Kon­fu­zi­us’ besucht. Neben dem Kon­fu­zi­us­tem­pel gab es also auch die Wohn­an­la­ge im tra­di­tio­nel­len Stil zu sehen. Das war für uns sehr inter­es­sant, auch wenn nicht mehr alles ori­gi­nal erhal­ten ist.

Per Schnell­zug ging es dann wie­der zurück nach Peking: 500 km in etwas mehr als zwei Stun­den, wirk­lich beein­dru­ckend. Ins­ge­samt war der klei­ne Aus­flug ein wei­te­res tol­les Erleb­nis, das wir nicht mis­sen wollen.