Doch noch alles gut gegangen…

Nun ist auch der Frei­tag schon fast vor­rüber und die­se Woche hielt noch eini­ges fuer uns bereit.

Wie Mar­tin schon geschrie­ben hat, sind wir am Mitt­woch fro­hen Mutes Rich­tung Bahn­hof auf­ge­bro­chen. Die Anfahrt mit Sitz­platz im Bus, die ver­gleichs­wei­se weni­gen Leu­te am Bahn­hof und das unge­wohnt geord­ne­te Anstel­len mach­te uns noch zuver­sicht­li­cher. Dann waren wir auch schon bald am Schal­ter ange­langt und als ich mei­ne vor­be­rei­te­ten Saet­ze her­un­ter­spu­len woll­te – denn wenn man dran ist, muss man schnell sein, sonst wird man auch mal weg­ge­dra­en­gelt – fing die Frau schon bei den ers­ten Wor­ten an zu lachen. War­um? – Unse­re Zug­ti­ckets konn­te man erst abends um sie­ben kau­fen, denn es gilt die Rege­lung, dass man die Zug­ti­ckets fuer belieb­te Stre­cken erst vier Tage vor Abrei­se kau­fen kann (oder an dem Abend am fuenf­ten Tag zuvor). Mit in der Son­ne sit­zen und einem Abend­brot bei Mc Donalds brach­ten wir die Zeit gut rum.

Pünkt­lich stell­ten wir uns an und waren 19.20 Uhr am Schal­ter ange­langt. Waeh­rend des Anstel­lens, frag­ten wir die Chi­ne­sin hin­ter uns, ob wir rich­tig ste­hen und sie mein­te, sie wol­le die glei­chen Tick­tes kau­fen. Ich wun­der­te mich ein wenig ueber ihr erroe­te­tes Gesicht und die hek­ti­schen Anru­fe, aber da kla­er­te sich bald auf… Ein ande­rer Chi­ne­se kam auf uns zu. Er hat­te drei Jah­re in Köln Che­mie stu­diert und half uns ein wenig beim geplan­ten Kartenkauf.

Doch letzt­lich half auch sei­ne Hil­fe nichts, denn als wir nach unge­fa­ehr 40 Leu­ten in unse­rer Schlan­ge an der Rei­he waren, gab es nicht mehr die gewu­ensch­ten Kar­ten. Wir ver­such­ten nach Alter­na­ti­ven zu suchen und dann bot uns der Kar­ten­ver­kae­ufer fuer 3000 Yuan vier Kar­ten an. Doch wir ent­schie­den, dass wir fuer die­sen Preis auch flie­gen kön­nen und dann brau­chen wir anstatt der 15 Stun­den Zug­fahrt nur unge­fa­ehr zwei Stun­den. Ein Erleb­nis wäre es zwar sicher gewe­sen, aber es lässt sich nicht ändern. Jetzt wis­sen wir wenigs­tens, was die Chi­ne­sen immer mein­ten, wenn sie sag­ten: „Viel Glueck beim Ticketkauf.“…

Nun flie­gen wir am Mon­tag­mor­gen nach Xi’an und wer­den uns in Ruhe die Stadt anschau­en, die wirk­lich viel zu bie­ten hat.

Ges­tern war ich noch mit Saskia, die Freun­din eines Zwi­ckau­er Mit­stu­den­ten, bei einem japa­ni­schen Fri­seur in San­li­tun. Japa­nisch?, fragt man sich da viel­leicht. Hm, uns hat bei­de das Ergeb­nis eines chi­ne­si­schen Fri­seurs nicht vom Stuhl gehau­en, selbst wenn es nur einen Bruch­teil des japa­ni­schen Fri­seur­be­such gekos­tet hat. Ganz egal, wir wur­den fuerstlich in Eng­lisch bera­ten, mas­siert und vom Chef per­so­en­lich geschnit­ten. Jetzt hat das Gan­ze wie­der ein wenig Form und Lebendigkeit.

Im Anschluss ging es zu den ver­trau­ten Bar­stras­sen ganz in der Nähe, wo wir eigent­lich Fleisch­spies­se und Brot essen woll­ten – wie wir es nachts so gewohnt waren. Doch lei­der glüh­te die Koh­le auf dem Grill noch nicht, es war ein­fach zu früh. So gin­gen wir in das sehr ver­steck­te, aber äußerst gute Restau­rant (fast auss­cliess­lich von Aus­län­dern besucht) gleich neben der Jugend­her­ber­ge direkt in San­li­tun. Dort gab es fuer uns lecke­re Piz­za und Lasa­gne und oben­drein ein inter­es­san­tes Gespraech mit drei älte­ren Her­ren aus Schwe­den. Sie arbei­ten fur Sony Erics­son und einer konn­te sich mit Chi­na ueber­haupt nicht anfreun­den. Doch die ande­ren bei­den teil­ten ein wenig unse­re Freu­de, in Chi­na sein zu können.

Nun wer­den wir sehen, wo sich unse­re Eltern ein­ord­nen wer­den, aber wir geben uns Mue­he, ihnen Chi­na in vie­len Facet­ten zu zeigen…