Nordseefeeling

Die Feri­en­wo­che am Meer war wie ein klei­ner Abste­cher nach Ottern­dorf – mit klei­nen und gro­ßen Unter­schie­den: Die Gezei­ten sind in Nan­dai­he (南戴河) bei wei­tem nicht so stark wie an der Nord­see, auch gibt es kei­ne Watt­wür­mer zu bestau­nen. Dafür sind am Strand Kulis­sen für Hoch­zeit­fo­tos auf­ge­baut, weil chi­ne­si­sche Paa­re vor der Hoch­zeit häu­fig ein gemein­sa­mes Foto­shoo­ting buchen.

Bei Tem­pe­ra­tu­ren um die 26°C und einer Was­ser­tem­pe­ra­tur von schät­zungs­wei­se 20°C trau­ten sich nur weni­ge Ein­hei­mi­sche ins Was­ser, wir aber natür­lich. Auch son­nen­ba­den ist bei Chi­ne­sen nicht wirk­lich ange­sagt, man schützt sich lie­ber vor der Son­ne, um die vor­neh­me Bläs­se zu bewah­ren. Dafür ver­trei­ben sie sich die Zeit auf ande­re Wei­se, zum Bei­spiel beim „golfan­geln”: Der Golf­ball ist an der Angel­schnur befes­tigt, der Abschlag erfolgt am Strand und dann wird der Ball zurück­ge­an­gelt. Beliebt ist auch das Glei­ten mit dem Fall­schirm am Motor­boot. Das hat uns an den Aus­flug in die Inne­re Mon­go­lei vor sechs Jah­ren erin­nert, bei dem wir von einem Jeep hoch­ge­zo­gen wurden.

Zwei Aus­flü­ge in die Umge­bung von Nan­dai­he dreh­ten sich vor allem um Tie­re. Nach einer kur­zen Bus­fahrt nach Beid­ai­he (北戴河) beob­ach­te­ten wir in der Nähe von Gezi­wo (鸽子窝, die­ser Ort wur­de so benannt, weil dort vie­le Tau­ben ihr Nest haben) sehr vie­le ver­schie­de­ne Vogel­ar­ten. Ent­lang des Mee­res wur­de ein sehr schö­ner Wan­der­weg ange­legt, der bis zum Stadt­rand von Qin­huang­dao (秦皇岛) führt.

Der zwei­te Aus­flug führ­te uns in den „Qin­huang­dao Zoo of Wild Ani­mals” zu einer Safa­ri der chi­ne­si­schen Art. Der Zoo befin­det sich in einem weit­läu­fi­gen Wald­ge­biet und ist gut gepflegt. Nur bei den Kro­ko­di­len waren die Gehe­ge etwas löch­rig, aber so lan­ge man sie nicht beim Son­nen­bad stört, ist das offen­sicht­lich kein Pro­blem. Ein wei­te­res High­light war der Safa­ri­park: Mit einem klei­nen Zug fährt man direkt durch die Gehe­ge und kann Tiger, Löwen, Wild­schwei­ne, Wöl­fe, Bären und vie­les mehr aus nächs­ter Nähe beob­ach­ten. Seit kur­zem ist es auch erlaubt mit dem eige­nen PKW durch die Gehe­ge zu fah­ren. Stän­di­ge Durch­sa­gen erin­nern dar­an, dass man Türen und Fens­ter geschlos­sen hal­ten soll. Zumin­dest an die offe­nen Fens­ter hat sich nicht jeder gehal­ten, im Stau muss schon die ein oder ande­re Ziga­ret­te zum Zeit­ver­treib geraucht wer­den. Der Zug mach­te für Giraf­fen, Zebras, Affen und den Ver­gnü­gungs­park noch eini­ge Zwi­schen­stopps, bis wir am Ende durch einen rie­si­gen Strei­chel­zoo an den Aus­gang gelangten.

Ins­ge­samt war es — beson­ders für mich — eine sehr ent­spann­te Woche, in der ich von Wieb­ke und Fami­lie reich­lich ver­wöhnt wur­de. Mar­tin konn­te es nur zwei Tage genie­ßen, aber auch das gehör­te schon vor­her zum Nordseefeeling.