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Sommerliche Wohnumgebung

Bevor wir Ende die­ser Woche wie­der nach Deutsch­land flie­gen, wol­len wir hier noch ein­mal ein paar som­mer­li­che Schnapp­schüs­se unse­rer Wohn­um­ge­bung zei­gen. Obwohl wir am Anfang — also im Sep­tem­ber letz­ten Jah­res — noch mit dem Gedan­ken gespielt haben, eine ande­re Blei­be zu suchen, haben wir uns doch schnell an alles gewöhnt und füh­len uns jetzt wirk­lich sehr wohl hier.

Beson­ders schön fin­de ich, dass auf jedem klei­nen Stück­chen irgend­et­was ange­baut wird. Im Früh­jahr konn­te man sogar den ein oder ande­ren Streit um jeden begehr­ten Zen­ti­me­ter Land ver­fol­gen. Jedoch gleicht der Boden in unse­ren Augen eher dür­rem Brach­land als guter Pflan­zer­de — trotz­dem grünt und blüht es sehr schön.

Natür­lich ist es nicht mit einer deut­schen Klein­gar­ten­an­la­ge zu ver­glei­chen, doch auch unse­re Wohn­um­ge­bung hier hat, wenn auch viel­leicht nicht sofort auf den ers­ten Blick erkenn­bar, ihren Reiz.

Today Art Museum

Nach Abschluss der Prü­fun­gen haben wir uns vor­ge­nom­men noch den ein oder ande­ren Aus­flug in Peking zu machen. So stand auch das Today Art Muse­um auf dem Pro­gramm. Vor Ort stell­ten wir fest, dass es nicht nur ein Muse­um ist, son­dern dass sich die gan­ze Gegend rings­her­um zu einem Künst­ler­vier­tel mit vie­len Gale­rien, Archi­tek­tur­bü­ros und klei­nen Cafés ent­wi­ckelt hat. Im Haupt­ge­bäu­de wird chi­ne­si­sche zeit­ge­nös­si­sche Kunst aus­ge­stellt. Neben Aus­stel­lungs­ob­jek­ten, bei denen wir noch in der Lage sind unse­re eige­nen Inter­pre­ta­tio­nen zu ent­wi­ckeln, gab es auch viel abs­trak­te Kunst zu bestaunen.

Durch den monat­li­chen Kul­tur­rund­brief des Aus­wär­ti­gen Amtes sind wir auf die deutsch-chinesischen Gemein­schafts­aus­stel­lung „INVISIBLE THINGS” auf­merk­sam gewor­den. Die Aus­stel­lung wid­met sich fol­gen­dem The­ma: Was ist typisch deutsch? Was ist ori­gi­nal chi­ne­sisch? Und was pas­siert, wenn bei­des auf­ein­an­der trifft?. Dabei geht es vor allem um die „unsicht­ba­ren” Din­ge, die uns im All­tag zwar stän­dig beglei­ten, aber nicht mehr bewusst wahr­ge­nom­men werden.

In die­ser Aus­stel­lung mit All­tags­ge­gen­stän­den und Fotos ist uns erneut bewusst gewor­den, dass die Fas­zi­na­ti­on für das Frem­de auch den Blick auf das Eige­ne schärft.

Unbekannte Seite Chinas — entlang der Seidenstraße

Für alle die, die schon vie­le unse­rer — haupt­säch­lich in Peking auf­ge­nom­men — Fotos gese­hen haben, gibt es heu­te etwas Abwechs­lung. Wie bereits vor­her ange­deu­tet, waren wir für fünf Tage im Wes­ten Chi­nas unter­wegs. Gemein­sam mit einer klei­nen deut­schen Rei­se­grup­pe, beglei­tet von unse­rer Stu­di­en­freun­din Sybil­le, die das Rei­se­bü­ro Fulong Tours in Zwi­ckau führt, ging es von Urum­qi (乌鲁木齐 Wūlǔ­mù­qí) über Jiayu­gu­an (嘉峪关 Jiāyù­guān) wei­ter bis nach Dun­huang (敦煌 Dūn­huáng). Alles war per­fekt orga­ni­siert, wodurch wir in der kur­zen Zeit einen sehr umfang­rei­chen Ein­druck in die­sen, uns bis­her völ­lig unbe­kann­ten Lan­des­teil gewin­nen konnten.

Die Rei­se nahm ihren Aus­gangs­punkt in der Pro­vinz­haupt­stadt Xin­jiangs, Urum­qi. Den ers­ten Stadt­rund­gang haben wir noch auf eige­ne Faust unter­nom­men und konn­ten dabei in eini­gen Stra­ßen die mus­li­mi­schen Ein­flüs­se ent­de­cken. Neben den Bau­wer­ken waren beson­ders auch die Märk­te inter­es­sant, auf denen fri­sches Schafs­fleisch, getrock­ne­te Früch­te und Gewür­ze ange­bo­ten wurden.

Am fol­gen­den Tag star­te­ten wir gemein­sam mit der Grup­pe zu einer wei­te­ren Stadt­run­de. Zuerst schau­ten wir uns das Pro­vinz­mu­se­um mit urzeit­li­chen Expo­na­ten, Infor­ma­tio­nen zu meh­re­ren Volks­min­der­hei­ten und eini­gen gut erhal­te­nen Mumi­en an. Im Anschluss konn­ten wir vom Roten Berg den Blick über die Stadt schwei­fen las­sen und beka­men schon einen ers­ten Vor­ge­schmack auf den nächs­ten Tag, denn am Hori­zont zeich­ne­ten sich die schnee­be­deck­ten Ber­ge des Him­mels­ge­bir­ges ab.

Von Urum­qi ging es mit dem Bus zum Him­mels­see, der in ca. 2000 m Höhe sehr idyl­lisch in Mit­ten von ca. 5000 m hohen Ber­gen liegt. Zu die­ser Zeit waren noch recht wenig Tou­ris­ten unter­wegs, somit konn­te man die Natur und die bezau­bern­de Land­schaft in vol­len Zügen genießen.

Mit dem Nacht­zug ging die Tour dann wei­ter Rich­tung Jiayu­gu­an in die Pro­vinz Gan­su, wo wir am Mor­gen das west­li­che Ende der Gro­ßen Mau­er aus der Ming­zeit ange­schaut haben. Weil nach den Auf­zeich­nun­gen die­ser Teil neun Jah­re eher begon­nen wur­de als das öst­li­che Ende in Shan­hai­gu­an, han­delt es sich eher um den Anfang als um das Ende der Mau­er. Das Fort liegt zwi­schen zwei Berg­ket­ten und unter­schei­det sich in sei­ner Bau­art und Erschei­nung sehr von den Mau­er­stü­cken, die wir in der Nähe Pekings besucht haben. Dort wur­de eher mit Lehm, Stroh und Reis­brei gear­bei­tet, wohin­ge­gen im Bereich Peking vor­ran­gig mit Stei­nen gebaut wurde.

Per Bus ging es im Anschluss ca. 400 km bis zur Oasen­stadt Dun­huang, wobei die Fahrt dahin haupt­säch­lich durch die Wüs­te führt und so erst­mals annä­hernd die Wei­te die­ser Land­schaft zu erfas­sen ist. Ganz im Gegen­teil zu dem Brach­land zwi­schen den zwei Städ­ten, waren wir von Dun­huang vom ers­ten Moment an begeis­tert. Es ist für chi­ne­si­sche Ver­hält­nis­se mit ca. 180.000 Ein­woh­nern eher ein Dorf, aber die Innen­stadt ist eine der schöns­ten, die wir bis­her hier gese­hen haben. In die­sem Gebiet wer­den auch Trau­ben und ande­re Früch­te ange­baut, wel­che vor allem als getrock­ne­tes Obst auf den Märk­ten ange­bo­ten wird.

Direkt an die Stadt, nur sechs Kilo­me­ter vom Stadt­zen­trum, schlie­ßen sich die Sand­dü­nen an. Sie beein­dru­cken beson­ders durch ihre läng­li­che Aus­deh­nung von ca. 40 km und die Höhe von bis zu 200 m Metern. In den Wei­ten der Sand­dü­nen konn­ten wir bei star­kem Wind durch­aus nach­voll­zie­hen, wel­che Gefah­ren sol­che Land­stri­che mit sich brin­gen. Dabei waren die Tem­pe­ra­tu­ren mit um die 25°C noch sehr ange­nehm. Der Mond­si­chel­see in Mit­ten der Dünen mit sat­ten Grün gleicht einer Oase wie aus dem Bil­der­buch, ein unver­gess­li­cher Anblick.

Auch am Nach­mit­tag konn­ten wir die Dimen­sio­nen der Dünen noch ein­mal aus einem ande­ren Blick­win­kel sehen, denn nach der Mit­tags­pau­se auf­grund hoher Tem­pe­ra­tu­ren dreh­ten wir eine Run­de mit dem Fahr­rad. Das ers­te Ziel war die Pago­de zum Wei­ßen Pferd, von dort aus ging es wei­ter zu einer Plan­ta­ge für Toma­ten, Gur­ken und Melo­nen. Beson­ders die Mög­lich­keit eine eige­ne Melo­ne zu ern­ten konn­ten wir uns nicht ent­ge­hen lassen.

Am letz­ten Tag stand dann ein wei­te­res High­light auf dem Pro­gramm: Die Mogao-Grotten. In die­sen Grot­ten sind bis zu 2000 Jah­re alte, bud­dhis­ti­sche Wand­ma­le­rei­en in Fels­höh­len zu sehen. Beson­ders die Far­be und die Fein­heit der Male­rei­en beein­druck­te uns sehr. Lei­der darf man aus Grün­den der Erhal­tung die­ses Schat­zes kei­ne Fotos machen, bleibt nur, uns zu glau­ben oder selbst ein­mal dort­hin zu fahren.

Wenn sich irgend­wann mal wie­der eine Mög­lich­keit gibt, dann wol­len wir noch ein­mal in die­se Rich­tung auf­bre­chen, denn es gibt auch in die­ser Regi­on der Pro­vin­zen Gan­su, Xin­jiang und Qing­hai noch ganz viel zu entdecken.

Heiliger Berg und heiliger Ort

Unse­re klei­ne Rei­se in die Pro­vinz Shan­dong liegt nun schon mehr als zwei Wochen zurück, trotz­dem wol­len wir noch ein paar Zei­len zu unse­ren Erleb­nis­sen vor Ort schrei­ben. Nach einer etwa fünf­stün­di­gen Bus­fahrt von Don­gy­ing, wo am 31. März die Hoch­zeit statt­fand, sind wir gut in Tai’an ange­kom­men. Bereits auf der Fahrt bei schöns­tem Früh­lings­wet­ter konn­te man schon die Ver­än­de­run­gen des Land­schafts­bil­des sehen. Bis schließ­lich in Tai’an das gesam­te Berg­pan­ora­ma ein­schließ­lich des hei­li­gen Ber­ges Tai vor uns lag.

Am Tag danach haben wir in aller Ruhe die 6660 Stu­fen zum Gip­fel des Berg Tai erklom­men. Die letz­ten Höhen­me­ter auf den ca. 1500 m hohen Berg raub­ten uns dann doch etwas Kraft. Oben ange­kom­men konn­te man aber schon etwas stolz auf alle umlie­gen­den Gip­fel schau­en. Da der Son­nen­auf­gang auf dem Gip­fel als beson­ders wich­tig und sehens­wert gilt, haben wir auf dem Gip­fel übernachtet.

Nach dem Auf­ste­hen gegen 5.30 Uhr konn­ten wir sehen, dass es wirk­lich ein beson­de­res Erleb­nis sein muss, denn über Nacht ist die Anzahl der „Gip­fel­stür­mer” um eini­ges gestie­gen, so dass auf dem Gip­fel nicht wirk­lich hei­li­ge Ruhe herrsch­te, son­dern man um einen Platz mit guter Aus­sicht kämp­fen muss­te. So vie­le Men­schen hat­ten wir wirk­lich nicht erwar­tet, eini­ge hat­ten sogar über Nacht gezel­tet, das hat­ten wir in Chi­na so noch nicht erlebt. Als sich dann aber die Son­ne aus dem Dunst des Tales erhob, war es doch ein sehr bewe­gen­der, anmu­ti­ger Moment.

Nach einem aus­gie­bi­gen Früh­stück auf unse­rem gemein­sa­men Käm­mer­lein haben wir uns an den Abstieg gemacht. Lei­der muss man sagen, dass das Abstei­gen auf den stei­len Trep­pen­stu­fen noch etwas anstren­gen­der war, als das Auf­stei­gen, noch dazu stie­gen tau­sen­de Chi­ne­sen mit uns hin­ab. Nach einer Wei­le ver­teil­ten sich die Men­schen­men­gen und es wur­de ein rich­tig schö­ner, fast som­mer­li­cher Wan­der­tag. Ab der Mit­tel­sta­ti­on sind wir dann die etwas abge­le­ge­ne­ren Rou­te, die teil­wei­se sehr ein­sam durch den Wald ver­läuft, gegangen.

Am nächs­ten Tag haben wir noch Qufu, die ehe­ma­li­ge Wohn­stät­te Kon­fu­zi­us’ besucht. Neben dem Kon­fu­zi­us­tem­pel gab es also auch die Wohn­an­la­ge im tra­di­tio­nel­len Stil zu sehen. Das war für uns sehr inter­es­sant, auch wenn nicht mehr alles ori­gi­nal erhal­ten ist.

Per Schnell­zug ging es dann wie­der zurück nach Peking: 500 km in etwas mehr als zwei Stun­den, wirk­lich beein­dru­ckend. Ins­ge­samt war der klei­ne Aus­flug ein wei­te­res tol­les Erleb­nis, das wir nicht mis­sen wollen.

Hochzeit auf Chinesisch

Vor mitt­ler­wei­le etwas mehr als einer Woche haben wir etwas Beson­de­res und zugleich auch sehr Bewe­gen­des erlebt. Bereits im letz­ten Jahr hat uns ein ehe­ma­li­ger Mit­stu­dent, mit dem wir gemein­sam unser ers­tes Jahr in Peking ver­bacht haben, zu sei­ner Hoch­zeit ein­ge­la­den. Die Hei­mat sei­ner Freun­din liegt in Don­gy­ing, in der Pro­vinz Shan­dong ca. 350 km süd­öst­lich von Peking, wo auch die Fei­er stattfand.

Anläss­lich der Hoch­zeit waren auch vie­le deut­sche Fami­li­en­mit­glie­der und Freun­de ange­reist, somit ging es gemein­sam mit unge­fähr 20 ande­ren Gäs­ten am Sams­tag in Rich­tung Don­gy­ing. Und zwar im Schlaf­bus — das hat­ten wir vor­her auch noch nicht erlebt.

In Don­gy­ing ange­kom­men wur­den wir gleich mit einem üppi­gen Abend­essen ver­wöhnt und konn­ten danach bei der Pro­be für den gro­ßen Tag dabei sein. Das Ja-Wort hat­ten sich die zwei bereits Ende letz­ten Jah­res gege­ben, aber bei der offi­zi­el­len Fei­er soll­ten nun mehr als 500 Gäs­te Zeu­ge einer sehr bewe­gen­den Zere­mo­nie wer­den und den bei­den die bes­ten Wün­sche für das gemein­sa­me Ehe­glück mit auf den Weg geben.

Bereits im Mor­gen­grau­en haben wir uns am nächs­ten Tag auf den Weg zum Eltern­haus gemacht, wo der Bräu­ti­gam die Braut gemäß chi­ne­si­scher Tra­di­ti­on aus­lö­sen muss­te. Zuerst wur­den wir mit auf­rich­ti­ger Freu­de von den Eltern, allen Nach­barn und Freun­den in die Woh­nung gelei­tet, wo es lecke­re Jiao­zi in Unmen­gen gab und noch flei­ßig her­ge­stellt wur­den. Pünkt­lich 6.58 Uhr traf dann der Bräu­ti­gam auf dem roten Tep­pich vor dem Haus ein. Bis zum Ein­tritt in die elter­li­che Woh­nung muss­te die ein oder ande­re Hür­de genom­men wer­den. Im Zim­mer der Braut ange­kom­men, muss­ten auch noch die Schu­he der Braut gesucht wer­den, um sie schließ­lich der Braut anzu­zie­hen. Als Ver­spre­chen die Frau immer auf Hän­den zu tra­gen, wur­de die Braut auch bis zum Auto getra­gen. Nach einer fast ein­stün­di­gen Stadt­rund­fahrt ging es zurück ins Hotel, wo dann die Zere­mo­nie stattfand.

Musik, Fotos, Video­bot­schaf­ten, Reden und Ges­ten, alles war ein­fach per­fekt und sehr bewe­gend. Alle Abläu­fe der Hoch­zeit fol­gen recht stren­gen Regeln, deren Bedeu­tung wir lei­der nicht nicht in vol­lem Maße ver­ste­hen. Natür­lich durf­te neben dem üppi­gen Mit­tag­essen auch der chi­ne­si­sche Schnaps nicht feh­len. Dass wir Mit­tags­schlaf machen, ist wirk­lich sel­ten, doch an die­sem Nach­mit­tag war es ein­fach nötig. Abends gab es gleich wie­der ein gemein­sa­mes Abend­essen und im Anschluss ging es direkt in die Karao­ke­bar. Im eige­nen Raum wur­de bis spät in die Nacht gesun­gen, getanzt und kräf­tig gefei­ert. Und dem noch nicht genug: Als letz­te Sta­ti­on wur­de noch ein klei­nes Restau­rant angesteuert.

Der letz­te Tag in Don­gy­ing begann erst gegen Mit­tag, trotz­dem soll­te er nicht min­der span­nend wer­den. Mit ein paar Autos ging es zur Mün­dung des Gel­ben Flus­ses ins Meer. Auf der Fahrt dort­hin konn­ten wir bereits vie­le Ölför­der­pum­pen sehen und dann noch eine per ein­spu­ri­ger Fahr­bahn erreich­ba­re För­der­an­la­ge auf dem Meer. Das Mün­dungs­ge­biet wur­de in ein Natur­re­ser­vat ver­wan­delt, wo vie­le ver­schie­de­ne Vogel­ar­ten zu beob­ach­ten sind. Es weh­te ein rau­er Wind, wodurch es fast etwas Ähn­lich­keit mit der Nord­see hatte.

Zum Abschluss gab es noch ein gemein­sa­mes Hotpot-Essen, bei dem wir ein­mal mehr viel zu viel geges­sen haben. Ins­ge­samt war es ein groß­ar­ti­ges Erleb­nis, wel­ches wir so schnell wohl nicht wie­der ver­ges­sen werden.

Neujahrsaktivitäten

Nach dem üppi­gen Essen wäh­rend der Fest­ta­ge — das kennt man ja auch aus Deutsch­land — lockt es vie­le Fami­li­en raus zu Spa­zier­gän­gen. Nicht sel­ten ist eins der zahl­rei­chen Tem­pel­fes­te das Ziel. Auch wir haben uns am Neu­jahrs­tag zu solch einer Ver­an­stal­tung auf­ge­macht, und zwar im Taoranting-Park (陶然亭公园), der im Süden der Stadt liegt. Die­sen Park hat­ten wir uns vor­her noch nicht ange­schaut und da er beson­ders wäh­rend des Tem­pel­fes­tes emp­foh­len wird, haben wir die Gele­gen­heit gleich beim Schop­fe gepackt.

Im Gegen­satz zu den lee­ren Stra­ßen in unse­rem Wohn­ge­biet, zeig­te sich im Park wie­der das gewohn­te Bild: End­lich waren wie­der ein paar mehr Leu­te unter­wegs und an unzäh­li­gen Stän­den gab es jede Men­ge zu erle­ben und zu kau­fen. Der Park besteht aus einem gro­ßen See und einer Insel — fast könn­te man mei­nen, es ist der gro­ße Bru­der vom Mitt­weida­er Schwa­nen­teich — die ein­zel­nen Tei­le des Par­kes sind durch vie­le Wege und Brü­cken ver­bun­den. Dank der anhal­ten­den Minus­tem­pe­ra­tu­ren wer­den ver­schie­dens­te Win­ter­sport­ak­ti­vi­tä­ten ange­bo­ten wie zum Bei­spiel Schlitt­schuh­lau­fen, Rei­fen­rut­schen oder Eis­schlit­ten­fah­ren. Für uns war es umso inter­es­san­ter die Leu­te bei ihrem gemein­sa­men Neu­jahrs­aus­flug zu beob­ach­ten. Mein Favo­rit war die Ver­stei­ge­rung von chi­ne­si­scher Male­rei: Zwei Mädels hal­ten das zu ver­stei­gern­de Bild, ein chi­ne­si­scher Ver­käu­fer mit Head­set preist die Zeich­nun­gen an und treibt den Preis meist bis auf 90 Yuan. Wer meh­re­re kau­fen woll­te oder noch auf sein Wunsch­mo­tiv war­te­te, konn­te es sich ein­fach auf einem der Plas­tik­ho­cker „gemüt­lich” machen und das Spek­ta­kel gespannt verfolgen.

Am zwei­ten Tag des Jah­res wur­den wir zum Essen ein­ge­la­den, das war für uns eine beson­de­re Freu­de. Dabei ging es uns nicht um das Essen an sich, son­dern um die Gele­gen­heit an einem Fami­li­en­es­sen anläss­lich des neu­en Jah­res teil­zu­neh­men. Wir waren mit Wieb­ke und Fami­lie im Nor­den Pekings in einem Jurten-Restaurant, das war ein ein­zig­ar­ti­ges Erleb­nis. Die­ses „Restau­rant” besteht aus vie­len ver­schie­de­nen Jur­ten, es gibt gro­ße und klei­ne, mon­go­li­sche und kasa­chi­sche, die sich alle etwas in ihrer Form unter­schei­den. Das Essen hat auch regio­na­le Ein­flüs­se: So gab es zum Bei­spiel Milch­tee, Käse und Lamm­fleisch. Bei den lecker zube­rei­te­ten Gerich­ten und dem zar­ten Lamm­fleisch wur­de ich, die eigent­lich nicht gern Schafs­fleisch ist, zum Essen „ver­führt” und für das Pro­bie­ren belohnt. 🙂

DAAD-Stipendiatentreffen

Am die­sem Wochen­en­de hat­ten wir eine Ein­la­dung um am DAAD-Stipendiatentreffen teil­zu­neh­men. Es war super orga­ni­siert und sehr inter­es­sant. Bereits am Frei­tag konn­ten wir beim gemein­sa­men Abend­essen einen Teil der zir­ka 100 Teil­neh­mer, ken­nen­ler­nen, die aus ganz Chi­na hier­her gekom­men sind. Anschlie­ßend gab’s noch ein Bier­chen und vie­le inter­es­san­te Gesprä­che in San­li­tun (ein paar Bar­stra­ßen im Bot­schafts­vier­tel, die es so ähn­lich auch schon 2006/07 gab).

Am Sams­tag muss­ten wir früh raus, um bereits 9.00 Uhr am eigent­li­chen Pro­gramm­tag teil­zu­neh­men. Die drei Vor­trä­ge wur­den der Rei­he nach immer bes­ser, es ging um Job­chan­cen, die Arbeit des Kul­tur­re­fe­rats der deut­schen Bot­schaft und um Chi­nas neue Füh­rung. Nach einem gemein­sa­men Mit­tag­essen ging es dann auf Tour: Nach lan­gem Über­le­gen hat­ten wir uns für die Füh­rung durch die Hut­ongs in der Alt­stadt ent­schie­den und im Nach­hin­ein wis­sen wir, dass es die rich­ti­ge Ent­schei­dung war. Wäh­rend der knapp zwei­stün­di­gen Tour in der Nähe des Trommel- und Glo­cken­turms war es zwar bit­ter­kalt, aber das Frie­ren hat sich mehr als gelohnt.

Die Archi­tek­tin Bar­ba­ra Münch hat sehr anschau­lich und offen über die Situa­ti­on in den Hut­ongs gespro­chen. Und nicht nur das, sie hat uns sogar drei Innen­hö­fe gezeigt, wel­che man sonst (als Tou­rist) nicht zu sehen bekommt. Sie selbst wohnt auch in solch einem Hut­ong und wir durf­ten haut­nah bestau­nen, wie es sich dort lebt. Sie haben den Hof in beein­dru­cken­der Wei­se umge­baut — so könn­te unser Traum­haus auch aussehen.

Die groß­ar­ti­ge Tour hat uns den Weih­nachts­ba­sar in der deut­schen Bot­schaft schnell ver­ges­sen las­sen, den wir dafür ver­passt haben. Immer­hin kommt Weih­nach­ten (und auch der Weih­nachts­ba­sar) mit Sicher­heit mal wie­der, doch solch eine umfas­sen­de Füh­rung erle­ben wir wohl nicht noch einmal.

Mit einem luxu­riö­sen Abend­essen im Land­mark Tower wur­de die gelun­ge­ne Ver­an­stal­tung am Abend pas­send abgerundet.

In der Weihnachtsbäckerei

Man wird es uns kaum glau­ben, aber wir haben am Wochen­en­de die ers­ten Plätz­chen geba­cken. Dank Sybil­le (eine ehe­ma­li­ge Mit­stu­den­tin, die jetzt flei­ßig neu­gie­ri­ge Chi­na­rei­sen­de betreut) müs­sen wir nicht mal auf die­se Lecke­rei­en ver­zich­ten. Vie­les fin­det man hier zwar im nor­ma­len Super­markt, mit Zucker­rü­ben­si­rup, Leb­ku­chen­ge­würz, Back­pa­pier, Puder­zu­cker, gemah­le­nen Nüs­sen & Co. wäre es aber schwie­ri­ger gewor­den. Obwohl wir zuletzt sogar eine Dr. Oetker Back­mi­schung für Scho­ko­la­den­ku­chen gese­hen und erfah­ren haben, dass es irgend­wo auch 白糖粉 (Puder­zu­cker) geben soll.

Am Frei­tag haben wir den Leb­ku­chenteig vor­be­rei­tet, damit wir am Sams­tag mit Wieb­ke und Fami­lie Plätz­chen backen konn­ten. Die­se sind uns ganz gut gelun­gen, außer­dem wur­den noch lecke­re Vanil­le­kip­ferl geba­cken. Lei­der müs­sen wir zuge­ben, dass bereits alle Vor­rä­te ver­putzt sind, aber nach Mar­tins Rech­nung war es erst der „minus ers­te Advent”, da bleibt noch Zeit für wei­te­re Backversuche.

Da wir selbst kei­nen Back­ofen son­dern nur eine Mikro­wel­le haben, schau­en wir uns nach ein paar geeig­ne­ten Rezep­ten um: gebrann­te Man­deln, Scho­ko­ku­chen und tat­säch­lich auch Plätz­chen kann man angeb­lich in der Mikro­wel­le zubereiten.Der ers­te Ver­such der gebrann­ten Man­deln war nicht schlecht, aber das bekom­men wir noch bes­ser hin. An den fol­gen­den Wochen­en­den wer­den wir mal dies und das aus­pro­bie­ren, ich bin schon gespannt, was uns alles gelingt.

Umzug abgesagt

Eigent­lich hat­ten wir uns vor­ge­nom­men noch ein­mal in Ruhe nahe gele­ge­ne Woh­nun­gen anzu­schau­en, um dann Ende Novem­ber umzu­zie­hen. Denn als wir am Ankunfts­tag die­se Woh­nung „aus der Not her­aus” gemie­tet haben, waren wir mit den Bedin­gun­gen nicht ganz zufrie­den, weder der Preis noch der Zustand über­zeug­ten uns.

Nun woh­nen wir etwas mehr als zwei Mona­te hier und es hat sich eini­ges geän­dert: Wir haben das Zim­mer mit vie­len Klei­nig­kei­ten ver­schö­nert, per­sön­li­che Fotos an der Wand ange­bracht, jeder hat im Zim­mer einen pas­sen­den Arbeits­platz gefun­den, zur­zeit ist es eine Tier freie Zone und wir haben beson­ders im Klei­der­schrank den zu nut­zen­den Platz opti­miert, damit wir unse­re vie­len Sachen (mitt­ler­wei­le wirk­lich sehr viel Zeug) unter­brin­gen. Man kann sagen, wir haben uns schon sehr häus­lich ein­ge­rich­tet und wie­der etwas mehr ver­in­ner­licht, dass man auch mit etwas weni­ger zufrie­den sein kann.

Unse­ren Ver­mie­tern haben wir von der Woh­nungs­su­che erzählt, dar­auf­hin lie­ßen sie sich in gewis­ser Wei­se auf eine Ver­hand­lung der Mie­te ein. Immer­hin konn­ten wir die Mie­te von zir­ka 2800 Yuan auf 2300 Yuan redu­zie­ren, also haben wir ges­tern den Miet­ver­trag verlängert.

Die Adres­se bleibt also bestehen. Wir haben sogar schon einen Brief­kas­ten­schlüs­sel bei der Woh­nungs­ver­wal­tung geholt. Eini­ge Post­kar­ten und auch ein Päck­chen haben schon den Weg zu uns gefun­den — dar­über haben wir uns sehr gefreut. Im direk­ten Ver­gleich schnei­den die Post­lauf­zei­ten von hier nach Deutsch­land aber wesent­lich schlech­ter ab als für die ande­re Rich­tung. Von hier­aus ist die Post rund vier Wochen unter­wegs, die Post­kar­ten und das Päck­chen (max. 2kg, 15,90 Euro) aus Deutsch­land haben wir bereits nach zehn Tagen erhalten.

Somit konn­ten wir am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de schon die Weih­nachts­de­ko­ra­ti­on auf­stel­len, zwar ist es noch etwas früh, aber wir haben unse­re Freu­de damit. In die­sem Sin­ne wün­schen wir schon jetzt allen eine schö­ne und vor allem ent­spann­te Vorweihnachtszeit.

Kulturwoche

… ohne einen Yuan aus­zu­ge­ben. Irgend­wie hat­ten wir das Glück mal wie­der auf unse­rer Seite.

Am Frei­tag letz­ter Woche arran­gier­te die Uni einen Aus­flug ins Laoshe-Teehaus in der Nähe vom Platz des Himm­li­schen Frie­dens. Obwohl wir das Pro­gramm mit Akro­ba­tik, Sichua­n­oper, Stim­men­imi­ta­ti­on, Schat­ten­thea­ter und Tee­ze­re­mo­nie bereits aus unse­rem ers­ten Jahr hier kann­ten, war es doch ein tol­les Erleb­nis. Das Tee­haus und die Uni besie­gel­ten an die­sem Tag ihre Koope­ra­ti­on, und das natür­lich mit dem in Chi­na übli­chen Drum­her­um von gegen­sei­ti­gen Lobes­re­den, Geschen­ken, einem eigens ange­fer­tig­ten Schild und vie­len tüch­ti­gen Fotografen.

Wei­ter ging es mit Woy­zeck im Natio­nal­thea­ter — klingt merk­wür­dig, aber hier gibt so gut wie alles zu erle­ben. Das Staats­thea­ter Wies­ba­den führ­te am Diens­tag und Mitt­woch das Frag­ment von Georg Büch­ner auf. Da Nadia (die klei­ne Toch­ter von unse­ren Freun­den Wieb­ke und Hu) als klei­nes Mäd­chen bei dem Stück mit gro­ßer Begeis­te­rung mit­wirk­te, durf­ten wir uns die Vor­stel­lung kos­ten­los anschau­en. Es war sehr beein­dru­ckend, dass sich so vie­le Chi­ne­sen die deutsch­spra­chi­ge Vor­stel­lung mit Über­set­zung auf der Anzei­ge­ta­fel ange­schaut haben. Bei der nach­fol­gen­den Dis­kus­si­ons­run­de wur­de das Motiv von Woy­zecks Tat wei­ter ergrün­det, eini­ge chi­ne­si­sche Zuhö­rer schie­nen sich mit der Hand­lung ein­ge­hend beschäf­tigt zu haben.

Am Sams­tag stand der letz­te Pro­gramm­punkt der Kul­tur­wo­che an. Auf Ange­bot der Uni fuh­ren wir an einem recht unge­müt­li­chen und sehr reg­ne­ri­schen Herbst­tag mit dem Bus zum Shichahai-Theater, wo eine Kungfu­vor­stel­lung statt­fand. Durch die Show führ­te ein sehr süßes (nicht ech­tes) Pan­da­pär­chen. Die Dar­bie­tun­gen waren sehr beein­dru­ckend und zeig­ten Ele­men­te von vie­len ver­schie­de­nen chi­ne­si­schen Kampf­küns­ten, inklu­si­ve dem Zer­bre­chen zwei­er Eisen­stan­gen auf dem Kopf.

Die Fotos geben hof­fent­lich einen Ein­blick, zei­gen aber ver­mut­lich nicht die auf­wen­di­ge Gestal­tung, die Dyna­mik und die Geschich­te. Denn natür­lich will das Pan­da­pär­chen gern Kungfu ler­nen und ent­deckt, dass eigent­lich in jedem Chi­ne­se ein Kungfu­meis­ter steckt.