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Vorerst keine weiten Reisen mehr

Nach 11 Jah­ren in ver­schie­de­nen Posi­tio­nen (als Stu­dent, wis­sen­schaft­li­cher Mit­ar­bei­ter, Dok­to­rand, Post­dok­to­rand) und an ver­schie­de­nen Unis (in Mitt­wei­da, Peking, Frei­berg und Tian­jin) habe ich die „aka­de­mi­sche Welt” hin­ter mir gelas­sen und bin in die Wirt­schaft gewech­selt, denn seit dem 01. Okto­ber arbei­te ich hier in Mün­chen bei einer Beratungsfirma.

Ent­spre­chend wer­de ich mich vor­erst auch nicht mehr in den Flie­ger auf den Weg nach Peking oder Tian­jin machen, son­dern mich (fast) jeden Mor­gen in die U‑Bahn nach Send­ling set­zen, den Münch­ner Stadt­teil, wo ich arbeite.

Eine Art Fehlerbild

Vor­ges­tern hat mir mein Kol­le­ge vom Cen­ter for Com­bi­na­to­rics das Grup­pen­bild der Kon­fe­renz zuge­schickt, die am Ende mei­nes vor kur­zem zu Ende gegan­ge­nen Auf­ent­hal­tes dort stattfand.

Zwar habe ich mich schon lan­ge dar­an gewöhnt, der ein­zi­ge Aus­län­der am Insti­tut zu sein — und es hat ja auch den einen oder ande­ren Vor­teil — aber etwas komisch sieht es doch aus, gera­de auf sol­chen Fotos. Also: Sucht den Fehler.

Gruppenfoto Konferenz 2014-07

Von Tianjin nach München bzw. von der Uni in die Wirtschaft

Am Mon­tag­nach­mit­tag bin ich wie­der in Mün­chen ange­kom­men und habe damit den (zu) hei­ßen Tian­ji­ner Som­mer gegen den (zu) kal­ten Mün­che­ner Som­mer getauscht. Es ist aber auch mal wie­der schön ohne Kli­ma­an­la­ge schla­fen zu können.

Auch wenn ich im Sep­tem­ber noch ein­mal nach Chi­na und Tian­jin zurück­keh­ren wer­de — und zwar vom 03. bis 25. Sep­tem­ber, da gab es den Hin- und Rück-Direktflug mit Air Chi­na für nur 584 Euro — so hat mir doch der Rückreise-Sonntag irgend­wie schon gezeigt, wohin es lang­fris­tig geht: Von der Uni mit ihren Kon­fe­ren­zen in das Arbeits­le­ben in der Wirt­schaft mit ihren Anzugs­trä­gern, zu denen ich dann auch gehöre.

Zunächst hat­ten wir seit Frei­tag eine grö­ße­re Kon­fe­renz in Tian­jin, zu der Chi­ne­sen aus ganz Chi­na und auch aus dem Aus­land ange­reist waren. Ich bin dann am Sonn­tag schon etwas eher dort weg, noch ein­mal in mei­ne Woh­nung um mei­ne Sachen zu schnap­pen und dann mit dem Zug nach Peking zu fahren.

Mein Flug ging zwar erst am Mon­tag­mor­gen 2 Uhr, wes­we­gen ich eigent­lich noch deut­lich län­ger hät­te in Tian­jin blei­ben kön­nen, aber ich muss­te in Peking noch mei­ne Sachen beim Schnei­der abho­len. Denn in Vor­be­rei­tung auf mei­ne Anstel­lung in Mün­chen (ab Anfang Okto­ber) habe ich mich mit Anzü­gen und Hem­den eingedeckt.

Auf dem Weg vom Schnei­der (an der Guang­hualu) zum Flug­ha­fen ging es dann mit dem Taxi den drit­ten Ring ent­lang, vor­bei an den zahl­lo­sen Hoch­häu­sern des CBD und von Sanyuan­jiao. Am Abend mit noch eini­gen Büros erleuch­tet ein ganz net­ter Anblick und irgend­wie schien es für mich in dem Moment schon irgend­wie das Sym­bol mei­ner neu­en Arbeit zu sein, gera­de im Gegen­satz zu den doch deut­lich fla­che­ren Gebäu­den in der Nankai-Universität, durch die ich mich in den vier Wochen zuvor meist bewegt hatte.

 

Halbzeit

Am Wochen­en­de war bereits Halb­zeit von Ste­fa­nies vier­wö­chi­ger Dienst­rei­se und mei­nem eben so lan­gen Auf­ent­halt hier in Tian­jin. Grund genug, uns mal in Peking zu tref­fen — Ste­fa­nie hat­te doch tat­säch­lich mal andert­halb Tage frei — und gemein­sam mit ein paar Freun­den einen lus­ti­gen Abend zu verbringen.

Bei „Halb­zeit” den­ken ja im Moment ja fast alle an Fuß­ball, ich sicher­lich auch oft, aber das war es dann auch schon. Denn mit dem Fuß­ball anschau­en ist es doch etwas schwie­rig, da die Spie­le hier vier Uhr mor­gens zu sehen sind. Zumal ich in mei­ner Woh­nung kein Fern­sehn oder Inter­net habe und ent­we­der ins Insti­tut oder woan­ders hin müsste.

Ent­spre­chend muss ich auch zuge­ben (eben­so wie Ste­fa­nie), dass ich die­se Nacht kein Fuß­ball geschaut habt. Als ich vor­hin noch ahnungs­los ins Büro bin hat mir aller­dings ein Chi­ne­se gleich zum Sieg der deut­schen Mann­schaft gra­tu­liert und die Tore die­ses wohl als his­to­risch zu bezeich­nen­den Spie­les habe ich mir gera­de im Inter­net angesehen.

Außer­dem konn­te ich fest­stel­len, dass auch das Jahr 2014 und spe­zi­ell das aka­de­mi­sche Jahr 2014 in Chi­na in Kür­ze Halb­zeit hat. Sprich, ich bin mal wie­der hier ange­kom­men,  wenn alle ande­ren gehen. Schon nach Weih­nach­ten war ich kurz vor dem Neu­jahrs­fest hier ange­kom­men als sich alle Stu­den­ten auf den Weg in ihre Hei­mat gemacht haben. Und ähn­lich ist es auch jetzt — die Som­mer­pau­se steht an.

Auf dem Weg zurück

Nach knapp zwei Mona­ten in Mün­chen bin ich nun wie­der auf dem Weg nach Tian­jin, um zumin­dest noch ein­mal einen Monat dort vor Ort zu arbei­ten und hof­fent­lich noch das eine oder ande­re klei­ne­re For­schungs­pro­jekt abzuschließen.

Eigent­lich soll­te ich auch schon fast dort ange­kom­men bzw. zumin­dest in Peking sein, aller­dings gab es an mei­nem Flie­ger, der ges­tern 16:35 Uhr star­ten soll­te, eini­ge tech­ni­sche Pro­ble­me. Deren Behe­bung zog sich Stun­de um Stun­de hin bis irgend­wann klar war, dass es doch nichts wird. So habe ich dann den Abend am Gate und die ers­te Stun­de des heu­ti­gen Tages am Ticket­coun­ter ver­bracht bis alles umge­bucht war und es per Taxi in ein Hotel in der Nähe des Flug­ha­fen (Mer­cu­re in Auf­kir­chen) ging.

Jetzt ist also der zwei­te Ver­such, bei dem es mit Eti­had über Abu Dha­bi nach Peking gehen soll (anstatt per Qatar über Doha wie ursprüng­lich geplant). Mor­gen früh Peking-Zeit soll­te ich es dann aber nach Chi­na geschafft haben und in rund 24 Stun­den dann in mei­nem Büro in Tian­jin sitzen.

Bleibt noch die in den letz­ten Tagen oft gehör­te Fra­ge, ob ich mich eigent­lich freue wie­der nach Chi­na zu kom­men. Die lässt sich gar nicht so ein­fach beant­wor­ten: Einer­seits habe ich mich in Mün­chen sehr gut ein­ge­lebt und die Stadt hat auch ein paar Vor­tei­le gegen­über Peking und Tian­jin — Stich­wort „Luft­qua­li­tät” und so wei­ter. Ande­rer­seits freue ich mich auch wie­der auf mei­ne Arbeit in Tian­jin, die feh­len­den Ablen­kun­gen und Mög­lich­keit sich auf die Mathe­ma­tik zu konzentrieren.

Ich den­ke die­sen viel­leicht letz­ten Monat als Post­doc in Chi­na wer­de ich noch ein­mal genie­ßen, zumal ja Ste­fa­nie auch gera­de das Reich der Mit­te erkun­det (bzw. des­sen Fabri­ken) und wir daher die Mög­lich­keit haben uns immer mal wie­der zu sehen, eine etwas ande­re Art der „Wochen­end­be­zie­hung”.

Nicht nur zu Besuch

Seit mehr als einem Monat bin ich nun in Mün­chen und gleich in den ers­ten Tagen hat sich her­aus­ge­stellt, dass ich nach dem Som­mer auf Dau­er hier sein wer­de. Denn zum 01. Okto­ber fan­ge ich bei einer IT- und Unter­neh­mens­be­ra­tung hier an.

Das Gan­ze ging wirk­lich sehr schnell: Am Frei­tag war ich gelan­det, am Mon­tag war das Vor­stel­lungs­ge­spräch, am Diens­tag habe ich das tele­fo­ni­sche Ange­bot bekom­men und am Mitt­woch lag der Ver­trag bereits im Brief­kas­ten. Ich freue mich schon auf die­se neue Her­aus­for­de­rung, obwohl dadurch sowohl die Zeit der For­schung als auch die Zeit in Chi­na ein immer näher kom­men­des Ende hat.

Aber noch ist es ja ein Weil­chen und ich den­ke, dass ich in den ver­blei­ben­den Mona­ten noch eini­ge ange­fan­ge­ne Din­ge zu Ende brin­gen kann, auch damit ich dann den Kopf für Neu­es frei habe. Der nächs­te Flug nach Chi­na steht auch schon fest, am 23. Juni flie­ge ich nach Peking und wer­de dann für vier Wochen an der Uni in Tian­jin sein.

Wie­so gera­de zu die­ser Zeit und gera­de vier Wochen? Weil Ste­fa­nie einen Tag zuvor auch für vier Wochen nach Chi­na star­tet um sich eini­ge Fabri­ken anzu­schau­en. Sie hat sogar eine Fabrik in Tian­jin auf ihrer Lis­te und ich freue mich schon sehr dar­auf ihr dann auch mal mei­ne Uni und mei­nen Arbeits­platz zu zei­gen und sie mei­nem Betreu­er Prof. Li und mei­nem Kol­le­gen Prof. Shi vor­zu­stel­len. Wenn das kein Anlass für ein klei­nes gemein­sa­mes Abend­essen ist …

Da war noch eine Konferenz

Nach­dem wir vor drei Wochen bereits (in gro­ßer Run­de) in Xia­men waren, ging es am letz­ten Wochen­en­de zu dritt nach Linyi. Dies liegt für chi­ne­si­sche Ver­hält­nis­se gleich in der Nähe, nicht ganz zwei Stun­den mit dem Schnell­zug und eben­so lan­ge mit dem Auto und schon waren wir dort.

Am Frei­tag­mit­tag in Linyi ange­kom­men gab es erst ein­mal (viel zu viel) Essen und danach ein wenig Zeit zur Erho­lung. Am Nach­mit­tag waren wir dann auf dem Cam­pus, haben den (ich wür­de sagen) Fach­grup­pen­lei­ter für Mathe­ma­tik getrof­fen und mein Pro­fes­sor hat einen Ein­füh­rungs­vor­trag zur Gra­phen­theo­rie gehal­ten. Am Abend stand dann wie­der ein gro­ßes Essen (und Trin­ken) auf dem Plan. Dabei ver­su­che ich mich natür­lich den chi­ne­si­schen Sit­ten so weit wie mög­lich anzu­pas­sen. Ent­spre­chend war auch in mei­nem Glas (auf dem ers­ten Bild vorn) kein Was­ser son­dern 50 %-iger Reis­schnaps. Nach dem Essen ging es (zumin­dest für eini­ge) zur Karao­ke und ich habe mich auch an eini­gen chi­ne­si­schen Lie­dern ver­sucht — zumin­dest soweit es mei­ne Zei­chen­kennt­nis­se erlaubt haben. (Die Lied­tex­te wer­den oft in Lang­zei­chen ange­zeigt, sie­he das zwei­te Bild, das macht es für mich auch nicht einfacher.)

Am nächs­ten Tag, dem Sams­tag, stan­den dann die Vor­trä­ge auf dem Pro­gramm und am Abend wie­der ein gemein­sa­mes Essen. Danach habe ich aber auf die Karao­ke ver­zich­tet. Bezie­hungwei­se, um ehr­lich zu sein, habe ich das nicht rich­tig mit­be­kom­men, dass das wirk­lich wie­der geplant war.

Das Tou­ris­ten­pro­gramm am Sonn­tag hat uns zum Mengs­han geführt, einem Berg der (zumin­dest von den Ein­hei­mi­schen) als zwei­ter Tais­han (einer der hei­li­gen chi­ne­si­schen Ber­ge) bezeich­net wird. Er ist zwar nicht ganz so hoch und auch nicht ganz so schön, dafür aber auch nicht so über­lau­fen. Nach dem Mit­tag­essen ging es in ein Natur­kun­de­mu­se­um in dem Kris­tal­le und Fos­si­li­en aus Chi­na aus­ge­stellt wurden.

Die meis­ten der nicht abge­schlos­se­nen Aus­stel­lungs­stü­cke sind zwar nur Kopien gewe­sen, weil es zu gefähr­lich wäre die Ori­gi­na­le aus­zu­stel­len (bzw. die Ver­si­che­rung zu teu­er), trotz­dem war es ganz lus­tig mal (wie­der) ein Dino­sau­ri­er­ske­lett zu sehen. Das ers­te Mal hat­ten wir die­se Chan­ce näm­lich gemein­sam vor einer gefühl­ten Ewig­keit in Hohhot. Das war auf unse­rer ers­ten Rei­se außer­halb Pekings in die Inne­re Mogo­lei Anfang Okot­ber 2006, lang lang ist es her.

Zu Besuch an der schönsten Uni Chinas

Es war zwar kein Urlaub, aber ich muss zuge­ben, es hat sich fast so ange­fühlt: Vor nun­mehr zwei Wochen waren ins­ge­samt 13 Pro­fes­so­ren und Post­docs des Cen­ter for Com­bi­na­to­rics nach Xia­men ein­ge­la­den, um an einem Work­shop dort teil­zu­neh­men. Die Uni­ver­si­tät in Xia­men ist unter ande­rem für ihren Cam­pus bekannt, der direkt zwi­schen dem Strand und einem bewal­de­ten Hügel liegt und als der schöns­te Cam­pus Chi­nas gilt. Ich kann dem nicht wie­der­spre­chen — ken­ne aber auch gera­de mal ein Dut­zend Unis in Chi­na aus eige­ner Erfahrung.

Außer­dem hat­ten wir einen Tag Zeit, um uns die Rund­dör­fer in der Nähe von Xia­men anzu­schau­en. Neben die­sen wohl ein­zig­ar­ti­gen Gebäu­den war auch die Land­schaft dort sehr sehens­wert. Aller­dings auch sehr touristisch.

Gear­bei­tet wur­de natür­lich auch, einen Tag gab es Vor­trä­ge über Gra­phen­theo­rie und angren­zen­de The­men. Bevor es nach Hau­se ging, wur­de außer­dem noch Obst ein­ge­kauft, das dann unter den Teil­neh­mern ver­teilt wur­de. So konn­te ich mich in den dar­auf­fol­gen­den Tagen an Man­gos mit sehr klei­nen fla­chen Ker­nen, Loquat (Japa­ni­sche Woll­mis­pel) und einer ande­ren Frucht, die ich noch nie zuvor gese­hen hat­te, satt essen.

Das war also mei­ne ers­te Kon­fe­renz aus Chi­na in Chi­na. Es war sowohl von den Leu­ten hier als auch dort toll orga­ni­siert, zum Bei­spiel die Trans­fers zu und von den Flug­hä­fen, Über­nach­tung sowie Essen. Ich bin an den Tagen de fac­to ohne Geld aus­ge­kom­men und eine Rei­se­kos­ten­ab­rech­nung nach der Rei­se war ent­spre­chend auch nicht notwendig.

Ach ja, am Wochen­en­de geht es wie­der zu einem klei­nen Work­shop, die­ses mal nach Linyi in der Pro­vinz Shan­dong. Das habe ich auch noch nie gehört, soll aber auch eine Groß­stadt mit ca. 11 Mil­lio­nen Ein­woh­nern auf einer Flä­che so groß wie Sach­sen sein.

Es zieht wieder Leben ein auf dem Campus

Als ich heu­te auf der Suche nach mei­nem Mit­tag­essen auf dem Cam­pus unter­wegs war, ist mir auf­ge­fal­len, dass die Leu­te und offe­nen Geschäf­te so lang­sam schon wie­der mehr wer­den — es zieht wie­der Leben ein. Und das, obwohl ich hier noch gar nichts zum Früh­lings­fest geschrie­ben habe.

Daher hier in aller Kür­ze das Wich­tigs­te: 新年快乐,万事如意。(Frohes neu­es Jahr, mögen alle Wun­sche in Erfül­lung gehen.)

Ich habe den chi­ne­si­schen Jah­res­wech­sel allei­ne in mei­ner Woh­nung in Tian­jin ver­bracht. War aber ganz in Ord­nung, ich konn­te vie­le Feu­er­wer­ke sehen und hat­te einen net­ten Abend. Am Neu­jahrs­mor­gen bin ich dann nach Peking gefah­ren, wo ich mich bis vor ein paar Tagen mit Feu­er­werk anschau­en, mit Freun­den tref­fen und Tem­pel­fes­te besu­chen beschäf­tigt habe.

Seit Mitt­woch bin ich wie­der in Tian­jin und war am ers­ten Abend gleich mit mei­nem Pro­fes­sor und sei­ner Fami­lie Abend­essen. Ansons­ten steht jetzt aber die Arbeit im Vor­der­grund, damit ich noch eini­ges schaf­fe, bis mir in ein­ein­halb Wochen mein Besuch schon die nächs­te Aus­zeit beschert.

Ein erstes Fazit

Die letz­ten zwei Mona­te in Tian­jin sind ver­gan­gen wie im Flug und ich bin auf ein­mal schon wie­der zurück in Deutsch­land, um die Fest­ta­ge und den Jah­res­wech­sel hier zu ver­brin­gen. Daher hier mal ein ers­tes Fazit mei­ner Zeit als Post­doc am Cen­ter for Combinatorics.

Die gan­zen büro­kra­ti­schen Din­ge haben sich sehr lan­ge hin­ge­zo­gen und eine Men­ge Zeit ein­ge­nom­men. Ich habe vie­le ver­schie­de­ne Büros und Ämter sowohl an der Nankai-Universität als auch bei der Stadt Tian­jin besucht. Nach und nach wur­de mein Gesund­heits­zeug­nis aner­kannt, ich habe einen Aus­weis als „For­eign Expert” und mei­nen Arbeits­aus­weis bekom­men, außer­dem mei­ne Auf­ent­halts­ge­neh­mi­gung und erst vor Kur­zem auch mei­ne Versicherungskarte.

Als sehr prak­tisch hat sich dabei die Kar­te der Nankai-Universität erwie­sen, die mich als Mit­ar­bei­ter der Uni aus­weist und gleich­zei­tig als Geld­kar­te für die Mensen und für das Nah­ver­kehrs­sys­tem von Tian­jin dient. Wie hier wohl üblich bekommt man mit einem neu­en Job auch gleich ein neu­es Kon­to. Zumin­dest muss­te ich für mein Gehalt nicht mei­ne Kon­to­da­ten ange­ben, son­dern man hat mir eine neue Kre­dit­kar­te in die Hand gedrückt (die man mit einem selbst­ge­wähl­ten 6‑stelligen Code nut­zen kann).

Am Insti­tut habe ich mich sehr schnell ein­ge­wöhnt — obwohl oder viel­leicht auch gera­de weil ich der ein­zi­ge Aus­län­der dort bin. Zunächst habe ich mich wie­der in mei­ne alten For­schungs­fra­gen und ‑ergeb­nis­se ein­ge­ar­bei­tet. Dar­aus hat sich ein Paper erge­ben, das wohl Ende die­sen oder Anfang nächs­ten Jah­ren im arXiv ver­öf­fent­licht wird. Außer­dem for­sche ich mit einem Kol­le­gen, der im Büro neben mir sitzt und Assi­stant Pro­fes­sor ist, an eini­gen Problemen.

Auch zur Leh­re hat­te ich in den letz­ten Wochen Gele­gen­heit und habe in acht Vor­le­sun­gen ein paar klas­si­sche Ergeb­nis­se über Gra­phen­po­ly­no­me ver­mit­telt. Im nächs­ten Semes­ter wer­de ich dann — wei­ter­hin in Eng­lisch — noch etwas mehr unter­rich­ten, wahr­schein­lich „Ran­dom Graph Theory”.

Wenn ich Mit­te Janu­ar nach Tian­jin zurück­keh­re, dann sind die meis­ten Stu­den­ten schon auf dem Weg in die Semes­ter­fe­ri­en um das Neu­jahrs­fest bei ihren Fami­li­en zu ver­brin­gen. Trotz­dem wird es mir am Insti­tut sicher­lich nicht lang­wei­lig wer­den, es gilt die Vor­le­sun­gen für das neue Semes­ter vor­zu­be­rei­ten und auch an For­schungs­fra­gen gibt es noch genug.