Archiv für den Monat: April 2007

Einkaufen und Essen

Wie die Über­schrift schon ver­rät, ging es am zwei­ten Tag des Besu­ches von Ste­fa­nies Eltern vor allem um die zwei „E”-Wörter „Ein­kau­fen” und „Essen”.

Auf der Ein­kaufs­zet­tel stand vor allem Klei­dung, wenn auch viel­leicht nicht so viel. Aber wenn man ein­mal beim Schnei­der ist, … Die Aus­wahl im Yashow-Markt tat ihr Übri­ges um den ver­blei­ben­den Platz in den Kof­fern zu füllen.

Als Stär­kung zwi­schen­durch waren wir am Mit­tag beim Thai­län­der und am Abend gab es (natür­lich) wie­der chi­ne­si­sches Essen, dar­un­ter auch die ers­te Pekingente.

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Damit endet vor­erst auch schon das Erleb­nis Peking, denn mor­gen früh geht es 8.10 Uhr per Flug­zeug nach Xi’an, von wo wir am Mitt­woch­abend zurück­keh­ren werden. 

Der Anfang ist getan

Wie nicht anders zu erwar­ten war heu­te einer der auf­re­gens­ten Tage bis­her hier in Peking, denn Ste­fa­nies Eltern haben ihr zwei­wö­chi­ges „Aben­teu­er Chi­na” begonnen.

Zwar nicht ganz pünkt­lich, aber trotz­dem wohl auf konn­ten wir sie heu­te Mit­tag in Emp­fang neh­men. Danach ging es erstein­mal mit dem Taxi zur Woh­nung und nach einer kur­zen Stär­kung (frisch geba­cke­ner Kuchen von Omi aus Deutsch­land) zu Fuß auf die ers­te Ent­de­ckungs­rei­se im „Feri­en­ort”.

Uni, Kod­a­k­la­den, Post und Opti­ker waren die ers­ten Sta­tio­nen und am Abend kam noch ein Hot-Pot-Restaurant (Feu­er­topf) dazu, in dem es das ers­te wirk­lich chi­ne­si­sche Essen gab. Das unge­wohn­te Ess­werk­zeug hat auch kei­ne Pro­ble­me gemacht, und so kön­nen wir nun alle gesät­tigt den ers­ten Tag aus­klin­gen lassen.
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Auch mor­gen ste­hen noch kei­ne gro­ßen Sehens­wür­dig­kei­ten auf dem Pro­gram, son­dern wei­ter­hin nur die all­täg­li­chen Sta­tio­nen unse­res Lebens, aber auch die dürf­ten für unse­re „Neu­an­kömm­lin­ge” inter­es­sant genug werden. 

Doch noch alles gut gegangen…

Nun ist auch der Frei­tag schon fast vor­rüber und die­se Woche hielt noch eini­ges fuer uns bereit.

Wie Mar­tin schon geschrie­ben hat, sind wir am Mitt­woch fro­hen Mutes Rich­tung Bahn­hof auf­ge­bro­chen. Die Anfahrt mit Sitz­platz im Bus, die ver­gleichs­wei­se weni­gen Leu­te am Bahn­hof und das unge­wohnt geord­ne­te Anstel­len mach­te uns noch zuver­sicht­li­cher. Dann waren wir auch schon bald am Schal­ter ange­langt und als ich mei­ne vor­be­rei­te­ten Saet­ze her­un­ter­spu­len woll­te – denn wenn man dran ist, muss man schnell sein, sonst wird man auch mal weg­ge­dra­en­gelt – fing die Frau schon bei den ers­ten Wor­ten an zu lachen. War­um? – Unse­re Zug­ti­ckets konn­te man erst abends um sie­ben kau­fen, denn es gilt die Rege­lung, dass man die Zug­ti­ckets fuer belieb­te Stre­cken erst vier Tage vor Abrei­se kau­fen kann (oder an dem Abend am fuenf­ten Tag zuvor). Mit in der Son­ne sit­zen und einem Abend­brot bei Mc Donalds brach­ten wir die Zeit gut rum.

Pünkt­lich stell­ten wir uns an und waren 19.20 Uhr am Schal­ter ange­langt. Waeh­rend des Anstel­lens, frag­ten wir die Chi­ne­sin hin­ter uns, ob wir rich­tig ste­hen und sie mein­te, sie wol­le die glei­chen Tick­tes kau­fen. Ich wun­der­te mich ein wenig ueber ihr erroe­te­tes Gesicht und die hek­ti­schen Anru­fe, aber da kla­er­te sich bald auf… Ein ande­rer Chi­ne­se kam auf uns zu. Er hat­te drei Jah­re in Köln Che­mie stu­diert und half uns ein wenig beim geplan­ten Kartenkauf.

Doch letzt­lich half auch sei­ne Hil­fe nichts, denn als wir nach unge­fa­ehr 40 Leu­ten in unse­rer Schlan­ge an der Rei­he waren, gab es nicht mehr die gewu­ensch­ten Kar­ten. Wir ver­such­ten nach Alter­na­ti­ven zu suchen und dann bot uns der Kar­ten­ver­kae­ufer fuer 3000 Yuan vier Kar­ten an. Doch wir ent­schie­den, dass wir fuer die­sen Preis auch flie­gen kön­nen und dann brau­chen wir anstatt der 15 Stun­den Zug­fahrt nur unge­fa­ehr zwei Stun­den. Ein Erleb­nis wäre es zwar sicher gewe­sen, aber es lässt sich nicht ändern. Jetzt wis­sen wir wenigs­tens, was die Chi­ne­sen immer mein­ten, wenn sie sag­ten: „Viel Glueck beim Ticketkauf.“…

Nun flie­gen wir am Mon­tag­mor­gen nach Xi’an und wer­den uns in Ruhe die Stadt anschau­en, die wirk­lich viel zu bie­ten hat.

Ges­tern war ich noch mit Saskia, die Freun­din eines Zwi­ckau­er Mit­stu­den­ten, bei einem japa­ni­schen Fri­seur in San­li­tun. Japa­nisch?, fragt man sich da viel­leicht. Hm, uns hat bei­de das Ergeb­nis eines chi­ne­si­schen Fri­seurs nicht vom Stuhl gehau­en, selbst wenn es nur einen Bruch­teil des japa­ni­schen Fri­seur­be­such gekos­tet hat. Ganz egal, wir wur­den fuerstlich in Eng­lisch bera­ten, mas­siert und vom Chef per­so­en­lich geschnit­ten. Jetzt hat das Gan­ze wie­der ein wenig Form und Lebendigkeit.

Im Anschluss ging es zu den ver­trau­ten Bar­stras­sen ganz in der Nähe, wo wir eigent­lich Fleisch­spies­se und Brot essen woll­ten – wie wir es nachts so gewohnt waren. Doch lei­der glüh­te die Koh­le auf dem Grill noch nicht, es war ein­fach zu früh. So gin­gen wir in das sehr ver­steck­te, aber äußerst gute Restau­rant (fast auss­cliess­lich von Aus­län­dern besucht) gleich neben der Jugend­her­ber­ge direkt in San­li­tun. Dort gab es fuer uns lecke­re Piz­za und Lasa­gne und oben­drein ein inter­es­san­tes Gespraech mit drei älte­ren Her­ren aus Schwe­den. Sie arbei­ten fur Sony Erics­son und einer konn­te sich mit Chi­na ueber­haupt nicht anfreun­den. Doch die ande­ren bei­den teil­ten ein wenig unse­re Freu­de, in Chi­na sein zu können.

Nun wer­den wir sehen, wo sich unse­re Eltern ein­ord­nen wer­den, aber wir geben uns Mue­he, ihnen Chi­na in vie­len Facet­ten zu zeigen…

Die letzten Vorbereitungen

[inspic=938,left,fullscreen,thumb]Wohnung put­zen, die Fens­ter nicht ver­ges­sen, schon mal die Bücher zusam­men­su­chen, die vor uns schon wie­der den Weg nach Mitt­wei­da fin­den sol­len, und natür­lich das Besich­ti­gungs­pro­gramm aus­ar­bei­ten — das waren am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de schon fast die letz­ten Vor­be­rei­tun­gen auf den ers­ten Besuch, denn wir in Peking bekommen.

Denn am Sams­tag früh 10.40 Uhr Orts­zeit wer­den Ste­fa­nies Eltern hier lan­den und dann gemein­sam mit uns zwei Wochen lang Chi­na unsi­cher machen. Dass es da an Vor­freu­de bei allen und Ner­vo­si­tät bei eini­gen nicht fehlt, ist sicher­lich klar. 😉

Span­nend wird es mor­gen noch ein­mal, denn da wol­len wir zum Bahn­hof und die Tickets für den Schlaf­wa­gen nach Xi’an kau­fen, wo wir zwei Näch­te blei­ben und uns unter ande­rem die Terrakotta-Armee anschau­en wol­len. Hotel­re­ser­vie­rung und Rück­flü­ge haben wir schon, nur die Anrei­se fehlt noch — aber das wird schon gut gehen.

Ansons­ten sind wir bereit und freu­en uns, Ste­fa­nies Eltern „unse­re” Stadt end­lich ein­mal wirk­lich nahe zu brin­gen. Denn auch sehr vie­le Brie­fe und erklä­ren­de Wör­ter erset­zen so einen Spa­zier­gang durch die­se Stadt nicht.

Zwei Wochen wer­den wir zu viert unter­wegs sein, aber der nächs­te Besuch ist auch schon gebucht. Denn am 21. Juli kommt dann „mein” Besuch für drei Wochen. Wenn sonst noch jemand Zeit und Lust auf ein paar Wochen „Aben­teu­er Peking” hat — wir haben immer ein Bett frei.

Ein Stadtbummel

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de stand mal wie­der — dank aus­rei­chend Zeit und guter Kon­di­ti­on — ein klei­ner Stadt­bum­mel auf dem Pro­gramm. Nur gut, dass Peking groß genug ist, denn so konn­ten wir 8 Stun­den durch die Innen­stadt lau­fen ohne all­zu vie­le schon bekann­te Wege zu benutzen.

Zu sehen gab es natür­lich wie­der eine neue Aus­wahl an Hoch­haus­ar­chi­tek­tur und Bau­stel­len. Doch wir waren nicht ziel­los, son­dern konn­ten uns am Ende bis zum ers­ten Zara in Peking durchschlagen.
Von dort waren es dann auch nur ein paar Stra­ßen­zü­ge bis zum Bahn­hof und wei­ter zum Tian’an­men, an des­sen Süd­sei­te gera­de ein paar Inline­ska­ter ihre Trai­nings­run­den drehten.

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Auf den Spuren der Geschichte und des Frühlings

Da uns am Wochen­en­de das son­ni­ge Früh­lings­wet­ter raus­ge­lockt hat, haben wir uns den Rei­se­füh­rer vor­ge­nom­men und geschaut, was uns noch auf der Lis­te fehlt. Daher haben wir uns am Sams­tag — mit dem Bus­plan „bewaff­net” — bis an die Mar­co Polo-Brücke (Lugo­u­qiao) 15 Kilo­me­ter süd­west­lich von Peking „durch­ge­kämpft”. Die­se Brü­cke beschrieb Mar­co Polo 1290 über­schweng­lich mit „…Kei­ne zwei­te auf der Welt kann sich mit ihr ver­glei­chen…” Die­se Brü­cke erlang­te jedoch auch trau­ri­ge Berühmt­heit, denn am 7.Juli 1937 ver­an­lass­te ein von den Japa­nern pro­vo­zier­ter Schuss­wech­sel den Beginn des Zwei­ten Welt­kriegs in Asien.
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Nach­dem wir das aus­ge­dörr­te Fluss­bett des Yongding-Flusses und die 485 ver­schie­de­nen Löwen­köp­fe begut­ach­tet hat­ten, fuh­ren wir zurück in die Stadt und mach­ten uns auf die Suche nach dem Hel­den­fried­hof Babaos­han (Babaos­han Lei­shi Gong­mu). Dort sind der letz­te Qing-Kaiser Puyi und vie­le Grö­ßen der Par­tei bebe­gra­ben. Bei der üppi­gen Blu­men­pracht auf fast allen Grä­bern fiel es uns schwer, die besag­ten aus­zu­ma­chen. Ganz egal, wir haben nun auch einen Ein­druck von die­sem Abschnitt des Lebens, der auch dazu­ge­hört, wenn man etwas über eine frem­de Kul­tur ler­nen möchte.
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Auf dem Rück­weg fuh­ren wir mit dem Bus an einem Park vor­bei, der am west­li­chen drit­ten Ring gele­gen ist, und wun­der­ten uns über den rie­si­gen Men­schen­an­sturm. Neu­gie­rig wie wir sind, fass­ten wir den Plan, uns am Sonn­tag­mor­gen zei­tig aus dem Bett zu „quä­len”, um gegen 6.15 Uhr mit dem Bus los­zu­fah­ren. Obwohl wir schon kurz vor 7.00 Uhr am Yuyuan­tan Park (Yuyuan­tan Gon­gyu­an) anka­men, waren schon eini­ge Chi­ne­sen unter­wegs. Die meis­ten waren — wie wir — gekom­men, um die herr­lich blü­hen­den Kirsch­bäu­me zu foto­gra­fie­ren. Ande­re mach­ten ihren Früh­sport, bei dem das Pro­gramm von Jog­gen, Tan­zen, Tai­ji und Schwim­men im See (Übri­gens die ers­ten Chi­ne­sen, die wir in Bade­out­fit sahen) reich­te. Alles in allem war das ein gro­ßes Erleb­nis, denn auch das brach­te uns einen Schritt näher zum (noch weit enfern­ten) Ziel des Chinakenners.
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Da wir vom Park aus, das Mili­tär­mu­se­um und das Mil­le­ni­ums­mo­nu­ment schon erbli­cken konn­ten, rich­ti­ges Foto­wet­ter war und wir ja noch den gan­zen Tag vor uns hat­ten, erwei­ter­ten wir unser Sonn­tags­pro­gramm um einen Abste­cher zum und ins Mil­le­ni­ums­mo­nu­ment. An dem einen Ende des Monu­ments sieht man eine rie­si­ge Son­nen­uhr und am ande­ren Ende brennt die „Hei­li­ge Flam­me des Vol­kes”, die ewig bren­nen soll und an die Unver­gäng­lich­keit des chi­ne­si­schen Vol­kes erin­nern soll. Im Monu­ment schau­ten wir uns drei Aus­stel­lun­gen an: Eine zeig­te Expo­na­te zum The­ma „Hoch­kul­tu­ren”, wobei die­se aus inter­na­tio­na­len Muse­en nach Bei­jing gebracht wur­den. Die zwei Foto­aus­stel­lun­gen über „New Bei­jing” und „Xin­jiang” (nord­west­li­che Pro­vinz Chi­nas, mit Ein­flüs­sen aus allen angren­zen­den Län­dern) lie­ßen wir uns auch nicht entgehen.
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Den Rest des Wochen­en­des lie­ßen wir dann ganz ruhig aus­klin­gen, um wie­der fit in die nächs­te Woche star­ten zu können.

Sport letzte Woche und nächstes Jahr

Es ist zwar schon ein Weil­chen her, aber bes­ser spät als nie, oder?

Da bei uns zur Zeit der „akti­ve” Sport etwas kurz kommt, ver­su­chen wir zumin­dest den „pas­si­ven”, also das Zuschau­en nicht zu ver­ges­sen. Und so waren wir vor­letz­te Woche gleich zwei Mal bei den Chi­na Open im Snoo­ker, eine wirk­lich loh­nen­de Veranstaltung.

Denn für nur ein paar Euro konn­te man dort all die Spie­ler sehen, die man sonst nur im Fern­se­hen bei Euro­sport sehen kann. Bei unse­rem ers­ten Spiel (Jim­my White vs. Zheng Peng) hat­ten wir sogar Plät­ze in der aller­ers­ten Rei­he. Bei der zwei­ten Par­tie (Mar­co Fu vs. Ron­ny O’Sul­li­van) waren wir zwar ein paar mehr Meter vom Snoo­ker­tisch ent­fernt, aber trotz­dem mit guter Sicht ausgestattet.

[mygal=2007–03-27_snooker]

In die Zeit der Chi­na Open fiel auch eine „magi­sche Gren­ze” des Count­downs für die Olym­pi­schen Spie­le — die „Nur noch 500 Tage” Linie. Man muss­te sich noch nicht ein­mal auf den Weg zu einer der Count­down­uh­ren machen, denn den Moment wie aus 500 Tagen und 00:00:00 499 Tage und 23:59:59 wur­de, gab es natür­lich im Fern­sehn mehr­fach zu sehen.

Um die­ses Ereig­nis her­um gab es eini­ge wei­te­re Olym­pia­news: Die Medail­li­en wur­den vor­ge­stellt und, das für uns wich­tigs­te, das Bewer­bungs­for­mu­lar für das Vol­un­teer Pro­gramm für Aus­län­der ist jetzt zugäng­lich, nach­dem sich zuvor schon die Chi­ne­sen bewer­ben duf­ten. Wer genau­so wie wir Inter­es­se hat, fin­det hier alle nöti­gen Infos.