Archiv für den Monat: Juni 2007

Wieder zu Hause

Ich bin nicht mehr allein, denn heu­te Mit­tag ist Ste­fa­nie wie­der in Peking gelan­det. Zwar mit drei Stun­den Ver­spä­tung, aber die hat mir immer­hin die Chan­ce gege­ben, sie am Flug­ha­fen abzu­ho­len und damit einen Teil der Erleb­nis­se gleich im Taxi auf dem Weg nach Hau­se zu erfahren.

Wäh­rend sich mein Leben hier wie immer wei­ter dreh­te und der HSK-Test, sowie ein Besuch im Thea­ter und beim Fri­seur schon die Höhe­punk­te waren, ging es bei ihr von Buda­pest nach Mün­chen, von dort nach Mitt­wei­da, und anschlie­ßend über Mün­chen zurück nach Peking.

Bei nicht ein­mal drei Tagen Auf­ent­halt in Mitt­wei­da war natür­lich kei­ne Gele­gen­heit alle Freun­de und Bekann­ten zu tref­fen, daher hat­te die Fami­lie erst ein­mal Vor­rang. Von spon­ta­nen Besuch waren eini­ge weni­ger über­rascht, ande­re um so mehr — nicht wahr Vati?

Ein wenig Zeit zum Ent­span­nen muss­te natür­lich auch sein, wobei sich Ste­fa­nie wohl trotz allem eher als Tou­rist gefühlt hat, die Ver­mu­tung legen zumin­dest die über 600 Bil­der nahe, die in der letz­ten Woche ent­stan­den sind.

Damit ist hier nun wie­der alles beim Alten: Mor­gen geht für Ste­fa­nie der Arbeits­all­tag wei­ter und mich führt mein täg­li­cher Weg wie­der in die Hoch­schu­le. Aber auch die­se bei­den Din­ge fin­den bald ihr Ende, denn mor­gen in drei Wochen habe ich bereits mei­ne Prü­fungs­er­geb­nis­se und Ste­fa­nie been­det ihr Praktikum.

Stefanie auf dem Weg nach Europa

Zur Zeit heißt es „Mar­tin allein in Peking”, und das wohl für fast eine Woche. Denn Ste­fa­nie ist auf Dienst­rei­se, die­ses Mal aber nicht ins 200 km ent­fern­te Tian­jin, son­dern ein wenig wei­ter — in Rich­tung Heimat.

Die Geschich­te von Anfang an lau­tet so: Ihr Chef hat­te sie heu­te mor­gen gefragt, ob sie heu­te nach Buda­pest flie­gen könn­te um dort etwas abzu­ge­ben. Natür­lich kein Pro­blem, daher sitzt sie gera­de im Flie­ger nach Frank­furt, um heu­te Abend (deut­scher Zeit) von dort aus nach Buda­pest wei­ter zu flie­gen und „ihren Auf­trag” zu erfüllen.

So schnell zurück, wie sie hin­kommt, geht es aller­dings nicht wie­der zurück, aber auch das hat sei­ne Vor­tei­le. Denn sie fliegt erst am Frei­tag wei­ter nach Mün­chen, um dort ein even­tu­ell not­wen­di­ges neu­es Visa für Chi­na zu bean­tra­gen, und kann sich somit am Don­ners­tag Buda­pest ein wenig anschauen.

Von Mün­chen aus geht dann am Mitt­woch Abend ihr Flie­ger nach Hau­se, also zu mir nach Peking, wo sie am Don­ners­tag wie­der ankommt und ihre klei­ne gro­ße Dienst­rei­se endet. Für mich heißt das natür­lich, dass ich jetzt eine Woche lang allei­ne hier woh­ne und lebe, aber da ja trotz­dem Stu­di­um ist und auch die Wochen­end­pla­nung schon steht, wird wohl kei­ne Lan­ge­wei­le aufkommen.

Die­se Akti­on ist wohl mal wie­der ein Bei­spiel dafür, dass in Chi­na schein­bar doch mehr spon­ta­ne und ein wenig ver­rück­te Din­ge pas­sie­ren, als in Deutsch­land. Mein Prak­ti­kum zumin­dest hat­te kei­ne Aus­lands­rei­se dabei, nicht mal eine inner­deut­sche Dienst­rei­se. Aber viel­leicht stu­die­re ich auch ein­fach das falsche. 😉

Perfektes Timing

Im Moment läuft ja gera­de das vier­te und ver­mut­lich ent­schei­de­ne Spiel der NBA-Finals und die Tat­sa­che, dass ich das gan­ze live am Fern­sehr ver­fol­gen darf anstatt in Klas­sen­zim­mer zu sit­zen, ist dem all­jähr­li­chen Gesangs­wett­be­werb zu verdanken.

Denn die­ser, an dem sich jede Klas­se mit einem Lied oder klei­nen Thea­ter­stück — natür­lich in chi­ne­si­scher Spra­che — betei­ligt, fin­det heu­te statt. Zur Zeit sind aller­dings nur die Pro­ben, ernst wird es erst heu­te Nachmittag.

Als es dar­um ging, wer mit­singt, habe ich mich natür­lich ziem­lich klein gemacht um den Erfolg mei­ner Klas­se nicht zu gefähr­den und wer­de dafür das Gan­ze auf der Kame­ra fest­hal­ten. Zu den Pro­ben war trotz­dem — in der Halb­zeit­pau­se — und habe ein paar Bil­der gemacht, als Vor­ge­schmack sozusagen.

Und jetzt noch zur Geburtstagsfeier

Als ob wir nach einem Tag im Xiangs­han und im Bota­ni­schen Gar­ten inklu­sie aus­gie­bi­ger Dusche nicht schon unser „Soll” erfüllt hät­ten, ging es danach noch zur Geburts­tags­fei­er von Hou Teng, dem jün­ge­ren der bei­den Japa­ner in mei­ner Klasse.

Inter­na­tio­na­li­tät und sehr lecke­res Essen war natür­lich gege­ben. Und wer denkt, dass Japa­ner nur Sushi Essen, der war noch nie (wirk­lich) japa­nisch Essen. Danach ging es dann wie gewohnt noch nach San­li­tun, wo für uns aller­dings kurz vor Mit­ter­nacht Schluß war … mit dem Alter muss man ein­fach ein Wenig auf sei­nen Kör­per hören.

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Was es nicht alles gibt

Am Sams­tag haben wir uns gemein­sam mit der klei­nen Fami­lie auf den Weg zum Xiangs­han gemacht. Da der Bus auch gegen 8.00 Uhr schon so voll war, dass wir fünf nicht zusam­men rein­ge­passt hät­ten, wähl­ten wir die weit­aus ange­neh­me­re Vari­an­te — beson­ders bei hei­ßen 35°C — und fuh­ren mit dem Taxi. So waren wir schon gegen 9.30 Uhr am Park­ein­gang, wo wir zufäl­lig auf Hu und die bei­den Klei­nen, Nadia und Vera, tra­fen. Danach haben wir uns auf den Weg zum Biy­un­si, dem Tem­pel der Azur­blau­en Wol­ke, gemacht, der als bes­te Sehens­wür­dig­keit in den West­ber­gen beschrie­ben wird. Zurecht muss ich sagen, denn mei­ner Mei­nung nach, war es der schöns­te Tem­pel, den wir hier bis­her erkun­det haben.

Zum Mit­tag wur­den wir fürst­lich bei Wieb­ke und Hu zu Hau­se ver­kös­tigt und zogen danach gestärkt zum Bota­ni­schen Gar­ten wei­ter. Dort war­te­te der Spring­brun­nen auf uns. Was Wieb­ke damit mein­te, als sie uns zum Spring­brun­nen­ba­den ein­lud, wuss­ten wir nicht so recht. Doch bald wuss­ten wir es und es war nicht nur was für Kin­der. Nach kur­zem Zögern waren wir patsch­nass und tum­mel­ten uns ver­gnügt mit den ande­ren Chi­ne­sen unter den Fon­tä­nen des Spring­brun­nens. Obwohl wir unbe­küm­mert die ersehn­te Erfri­schung genos­sen, bemerk­te man doch den ein oder ande­ren ver­wun­der­ten Blick. Es pas­siert wahr­schein­lich nicht alle Tage, dass dort fast erwach­se­ne Aus­län­der im Was­ser toben…;)

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Den wun­der­schö­nen Tag mit erhol­sa­men Stun­den im Grü­nen und viel Spaß run­de­ten wir mit einem lecker chi­ne­si­schen Abend­essen ab, bei dem sogar wie­der ein haus­ei­ge­ner Fisch in süß-saurer Soße frisch auf den Tisch gezau­bert wurde.

Kleidung aus dem Meer

Mal raus aus dem Klas­sen­zim­mer hieß es am ver­gan­ge­nen Mon­tag für einen Groß­teil der Zwei-Einser und Zwei-Zweier-Kurse an der Uni. Ein kur­zer Spa­zier­gang führ­te uns in eine Aus­stel­lung des Pekin­ger Insti­tu­tes für Tex­ti­li­en. Nicht wirk­lich das span­nends­te, was man sich vor­stel­len kann, zumal vie­le Stu­den­ten schein­bar an den Tagen zuvor sehr viel Kraft im Pekin­ger Nacht­le­ben ver­braucht hatten.

Inter­es­sant war es trotz­dem, vor allem ein Film über die wohl letz­te Frau Chi­nas, die Klei­dung aus Fisch­haut her­stel­len konn­te. Die letz­te Jacke, deren Her­stel­lung in dem Film gezeigt wur­de, war eben­falls zu bestau­nen. Anfas­sen war natür­lich nicht erlaubt, aber das Gan­ze sah schon ziem­lich robust aus. Die ver­schie­de­nen Far­ben kom­men von ver­schie­de­nen Fischen, deren Haut ver­wen­det wur­de und auch die Ver­zie­run­gen sowie die Ver­schlüs­se sind aus Fisch­haut her­ge­stellt. Mal wirk­lich was ande­res als die T‑Shirts im Yashow-Market.

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Auf dem Rück­weg haben wir die Gele­gen­heit gleich noch für ein Klas­sen­fo­to gemein­sam mit unse­rer Yuedu- und Jing­du­leh­re­rin genutzt, auch wenn nur 14 von 21 Stu­den­ten da waren. Aber das ist für unse­re Klas­se in letz­ter Zeit ja gar kein schlech­ter Schnitt. 😉

Das war also das Meer

Der Plan stand ja schon lan­ge, aber am Wochen­en­de war es soweit: Es ging ans Meer, an den Pazi­fik, und natür­lich nicht nur zum Anschau­en, son­dern auch zum Baden.

Dabei gab es wie­der eini­ge neue Ein­drü­cke zu sam­meln, denn nach­dem wir die mitt­ler­wei­le schon über 9 Mona­te fast aus­schließ­lich in Groß­städ­ten ver­bracht haben, konn­ten wir uns die Ver­bin­dung von „ganz viel Was­ser” und „Chi­na” nicht so wirk­lich vorstellen.

Das hat sich nun geän­dert und ich hof­fe, die Bil­der geben einen klei­nen Ein­druck, wie bei­des zusam­men passt. Typisch Chi­ne­sisch war auf alle Fäl­le das Essen: Am ers­ten Tag haben wir uns vom Strand aus auf den Weg gemacht nach Ess­ba­rem. Nach­dem wir zunächst nur auf ein paar Restau­rants mit (unse­rer Mei­nung nach) typi­schen Tou­ris­ten­prei­sen gesto­ßen sind, haben wir dann doch mit Umweg über die Pop­corn­ver­käu­fe­rin „die Frei­luft­kü­che der Stadt” gefun­den und sind bes­tens satt geworden.

Eben­falls sehr Chi­ne­sisch war unse­re Fahr­rad­tour am Sams­tag­abend: Mit im Hotel aus­ge­lie­he­nen Fahr­rä­dern (zwei Tan­dems, ein „Nor­ma­lo”) haben wir erst Nan­dai­he und dann noch Beid­ai­he unsi­cher gemacht und sind dort in ein Fisch­re­stau­rant ein­ge­kehrt. Als wir mit dem viel zu vie­len Essen fer­tig waren, hieß es dann die 5 km wie­der zurück zu radeln — aller­dings typisch Chi­ne­sisch, also mit wenig Stra­ßen­be­leuch­tung und garan­tiert ohne Licht an den Fahr­rä­dern. Ist aber alles gut gegan­gen und somit hat­ten wir unser ers­tes „rich­ti­ges” Fahr­ra­d­er­leb­nis in China.

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Ins­ge­samt ein sehr schö­nes Wochen­en­de, dass bei uns Vor­freu­de auf die nächs­te Auf­la­ge macht, die wir dann mit dem nächs­ten Besuch aus der fer­nen Hei­mat gemein­sam unter­neh­men werden.

Was bisher geschah …

So oder so ähn­lich soll­te man viel­leicht die­sen Bei­trag über­schrei­ben, denn es gibt eini­ges „nach­zu­ho­len”.

Da uns mitt­ler­wei­le auch schon die ers­ten E‑Mails erreicht haben, in denen gefragt wur­de, ob denn bei uns noch alles in Ord­nung ist: Na klar. Und das dürf­te auch unser Pro­gram der letz­ten zwei Wochen unterstreichen.

Nach­dem uns Ste­fa­nies Eltern wie­der in Rich­tung Deutsch­land ver­las­sen hat­ten, haben wir das fol­gen­de Wochen­en­de gleich für einen Besuch im Zoo genutzt. „Gequäl­te Tier schau­en”, wie man­cher sagt. Natür­lich sind die Bedin­gun­gen für die Zoo­be­woh­ner nicht so gut wie in den meis­ten deut­schen Zoos, und genau­so natür­lich wird an eini­gen Stel­len bereits an der Ver­bes­se­rung gear­bei­tet. Bereits gut ver­sorgt sind natür­lich die „Stars”, die Pan­das. Die Braun­bä­ren dage­gen müs­sen mit einem Beton­ge­he­ge aus­kom­men, hin­ter dem gera­de eine Hoch­stra­ße entsteht.

Am Wochen­en­de dar­auf waren wir „bei der gro­ßen Poli­tik zu Gast”, in der „Gro­ßen Hal­le des Vol­kes” am Tian’an­men. Mal wie­der so ein Ort, denn man eigent­lich nur aus dem Fern­se­hen kennt. Zumal man wäh­rend des Rund­gan­ges auch in den gro­ßen Sit­zungs­saal gelangt, in dem immer­hin 10.000 Dele­gier­te Platz finden. 

Auf dem Rück­weg nach Hau­se sind wir dann eher zufäl­lig noch an ein paar ande­ren schö­nen Orten vor­bei gekom­men, haben den Hou­hai fast ein­mal umrun­det und uns dabei die Resi­denz von Song Qing­ling, sozu­sa­gen von „Frau Sun Yat-Sen” angeschaut.

Auch das ver­gan­ge­ne Wochen­en­de ging nicht ganz ohne Sight­see­ing ab, schließ­lich sind die Wochen­en­den knapp und die Lis­te der Sehens­wür­dig­kei­ten lang. So haben wir uns auf den Weg zum Dazhong Si (Tem­pel der Gro­ßen Glo­cke) gemacht, der das Glo­cken­mu­se­um mit 160 Exem­pla­ren von 150 Gramm bis zum namens­ge­ben­den Unge­tüm von 46,5 Ton­nen beherbert.

An den kom­men­den zwei Tagen ste­hen mal nicht die gebau­ten Sehens­wür­dig­kei­ten auf dem Plan, son­dern die ganz natür­li­chen. Denn wir machen uns auf den Weg ans Meer, zum Pazi­fik. Zwei­ein­halb Stun­den mit dem Schnell­zug nach Beid­ai­he und von dort mit dem Taxi fast bis direkt an den Strand. Bil­der und Erfah­rung­be­richt fol­gen natür­lich, und die­ses Mal hof­fent­lich ein wenig zeitnäher.