Archiv für den Monat: November 2012

In der Weihnachtsbäckerei

Man wird es uns kaum glau­ben, aber wir haben am Wochen­en­de die ers­ten Plätz­chen geba­cken. Dank Sybil­le (eine ehe­ma­li­ge Mit­stu­den­tin, die jetzt flei­ßig neu­gie­ri­ge Chi­na­rei­sen­de betreut) müs­sen wir nicht mal auf die­se Lecke­rei­en ver­zich­ten. Vie­les fin­det man hier zwar im nor­ma­len Super­markt, mit Zucker­rü­ben­si­rup, Leb­ku­chen­ge­würz, Back­pa­pier, Puder­zu­cker, gemah­le­nen Nüs­sen & Co. wäre es aber schwie­ri­ger gewor­den. Obwohl wir zuletzt sogar eine Dr. Oetker Back­mi­schung für Scho­ko­la­den­ku­chen gese­hen und erfah­ren haben, dass es irgend­wo auch 白糖粉 (Puder­zu­cker) geben soll.

Am Frei­tag haben wir den Leb­ku­chenteig vor­be­rei­tet, damit wir am Sams­tag mit Wieb­ke und Fami­lie Plätz­chen backen konn­ten. Die­se sind uns ganz gut gelun­gen, außer­dem wur­den noch lecke­re Vanil­le­kip­ferl geba­cken. Lei­der müs­sen wir zuge­ben, dass bereits alle Vor­rä­te ver­putzt sind, aber nach Mar­tins Rech­nung war es erst der „minus ers­te Advent”, da bleibt noch Zeit für wei­te­re Backversuche.

Da wir selbst kei­nen Back­ofen son­dern nur eine Mikro­wel­le haben, schau­en wir uns nach ein paar geeig­ne­ten Rezep­ten um: gebrann­te Man­deln, Scho­ko­ku­chen und tat­säch­lich auch Plätz­chen kann man angeb­lich in der Mikro­wel­le zubereiten.Der ers­te Ver­such der gebrann­ten Man­deln war nicht schlecht, aber das bekom­men wir noch bes­ser hin. An den fol­gen­den Wochen­en­den wer­den wir mal dies und das aus­pro­bie­ren, ich bin schon gespannt, was uns alles gelingt.

Umzug abgesagt

Eigent­lich hat­ten wir uns vor­ge­nom­men noch ein­mal in Ruhe nahe gele­ge­ne Woh­nun­gen anzu­schau­en, um dann Ende Novem­ber umzu­zie­hen. Denn als wir am Ankunfts­tag die­se Woh­nung „aus der Not her­aus” gemie­tet haben, waren wir mit den Bedin­gun­gen nicht ganz zufrie­den, weder der Preis noch der Zustand über­zeug­ten uns.

Nun woh­nen wir etwas mehr als zwei Mona­te hier und es hat sich eini­ges geän­dert: Wir haben das Zim­mer mit vie­len Klei­nig­kei­ten ver­schö­nert, per­sön­li­che Fotos an der Wand ange­bracht, jeder hat im Zim­mer einen pas­sen­den Arbeits­platz gefun­den, zur­zeit ist es eine Tier freie Zone und wir haben beson­ders im Klei­der­schrank den zu nut­zen­den Platz opti­miert, damit wir unse­re vie­len Sachen (mitt­ler­wei­le wirk­lich sehr viel Zeug) unter­brin­gen. Man kann sagen, wir haben uns schon sehr häus­lich ein­ge­rich­tet und wie­der etwas mehr ver­in­ner­licht, dass man auch mit etwas weni­ger zufrie­den sein kann.

Unse­ren Ver­mie­tern haben wir von der Woh­nungs­su­che erzählt, dar­auf­hin lie­ßen sie sich in gewis­ser Wei­se auf eine Ver­hand­lung der Mie­te ein. Immer­hin konn­ten wir die Mie­te von zir­ka 2800 Yuan auf 2300 Yuan redu­zie­ren, also haben wir ges­tern den Miet­ver­trag verlängert.

Die Adres­se bleibt also bestehen. Wir haben sogar schon einen Brief­kas­ten­schlüs­sel bei der Woh­nungs­ver­wal­tung geholt. Eini­ge Post­kar­ten und auch ein Päck­chen haben schon den Weg zu uns gefun­den — dar­über haben wir uns sehr gefreut. Im direk­ten Ver­gleich schnei­den die Post­lauf­zei­ten von hier nach Deutsch­land aber wesent­lich schlech­ter ab als für die ande­re Rich­tung. Von hier­aus ist die Post rund vier Wochen unter­wegs, die Post­kar­ten und das Päck­chen (max. 2kg, 15,90 Euro) aus Deutsch­land haben wir bereits nach zehn Tagen erhalten.

Somit konn­ten wir am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de schon die Weih­nachts­de­ko­ra­ti­on auf­stel­len, zwar ist es noch etwas früh, aber wir haben unse­re Freu­de damit. In die­sem Sin­ne wün­schen wir schon jetzt allen eine schö­ne und vor allem ent­spann­te Vorweihnachtszeit.

Eiszeit mit Christian Y. Schmidt

Als wir uns Ende August auf dem Weg nach Peking gemacht haben, hat­ten wir auch ein paar (damals) aktu­el­le Aus­ga­ben der „Zeit” in unse­rem Gepäck, inklu­si­ve eines Berich­tes über den neu­es­ten Eis­trend in Chi­na. Chris­ti­an Y. Schmidt stellt dar­in „Ben Nana” vor, ein bana­nen­ähn­li­ches Eis bestehend aus einer ess­ba­ren Scha­le aus Gelee und der eigent­li­chen Bana­ne aus Speiseeis.

Als wir am Wochen­en­de im Uni­s­u­per­markt unter­wegs waren, haben wir auch einen Blick in die dor­ti­gen Eis­tru­hen gewor­fen. Eigent­lich waren wir auf der Suche nach 中街糯米糍 (Zhōng­jiē­nuò­mǐcí): außen eine dün­ne Teig­schicht und innen Vani­ellie­eis, das Gan­ze in der Form eines Reiskeck­ses. Das war aber gera­de nicht vor­rä­tig (bzw. es gab nur die Luxus­va­ri­an­te von Nest­le mit glei­chem Inhalt zum dop­pel­ten Preis), daher ent­schie­den wir uns für ein „Ben Nana”. Um es kurz zu machen: Auch nicht schlecht, aber kommt geschmack­lich nicht an unse­ren eigent­li­chen Wunsch her­an. Zumal man auch preis­lich nichts gut macht, denn für ein Ben Nana zum Preis von 3 Yuan (ca. 40 Cent) bekommt man sechs „Reiskecks­eis”, die ein­zeln zwar deut­lich klei­ner sind, zusam­men aber deut­lich mehr auf die Waa­ge brin­gen. Was bei­de Eis gemein­sam haben, ist eine (ess­ba­re) Hül­le, die ver­hin­dert, dass einem das Eis direkt nach dem Öff­nen über die Fin­ger läuft.

Der Zufall woll­te es, dass Chris­ti­an Y. Schmidt, der Autor des erwähn­ten Berich­tes, am Diens­tag auch noch eine Lesung in der Deut­schen Bot­schafts­schu­le gege­ben hat. Unter der Fra­ge­stel­lung was gut und was weni­ger gut an Chi­na ist (bzw. war­um man bes­ser hier als in Deutsch­land lebt oder aber anders her­um) hat er vor allem Kapi­tel aus sei­nem 2011 erschie­nen Buch „Im Jahr des Tige­roch­sen” vor­ge­le­sen. Aber auch sei­ne aktu­el­le Kolum­ne in der er behaup­tet, er kön­ne nicht in Deutsch­land leben, weil er dort immer zunimmt. Das deckt sich zwar über­haupt nicht mit unse­rer Erfah­rung, war aber trotz­dem ein sehr lus­ti­ger Abend. Obwohl: in Deutsch­land habe ich cir­ca 65 Kilo zuge­nom­men, in Chi­na nur die paar übrigen.

Kulturwoche

… ohne einen Yuan aus­zu­ge­ben. Irgend­wie hat­ten wir das Glück mal wie­der auf unse­rer Seite.

Am Frei­tag letz­ter Woche arran­gier­te die Uni einen Aus­flug ins Laoshe-Teehaus in der Nähe vom Platz des Himm­li­schen Frie­dens. Obwohl wir das Pro­gramm mit Akro­ba­tik, Sichua­n­oper, Stim­men­imi­ta­ti­on, Schat­ten­thea­ter und Tee­ze­re­mo­nie bereits aus unse­rem ers­ten Jahr hier kann­ten, war es doch ein tol­les Erleb­nis. Das Tee­haus und die Uni besie­gel­ten an die­sem Tag ihre Koope­ra­ti­on, und das natür­lich mit dem in Chi­na übli­chen Drum­her­um von gegen­sei­ti­gen Lobes­re­den, Geschen­ken, einem eigens ange­fer­tig­ten Schild und vie­len tüch­ti­gen Fotografen.

Wei­ter ging es mit Woy­zeck im Natio­nal­thea­ter — klingt merk­wür­dig, aber hier gibt so gut wie alles zu erle­ben. Das Staats­thea­ter Wies­ba­den führ­te am Diens­tag und Mitt­woch das Frag­ment von Georg Büch­ner auf. Da Nadia (die klei­ne Toch­ter von unse­ren Freun­den Wieb­ke und Hu) als klei­nes Mäd­chen bei dem Stück mit gro­ßer Begeis­te­rung mit­wirk­te, durf­ten wir uns die Vor­stel­lung kos­ten­los anschau­en. Es war sehr beein­dru­ckend, dass sich so vie­le Chi­ne­sen die deutsch­spra­chi­ge Vor­stel­lung mit Über­set­zung auf der Anzei­ge­ta­fel ange­schaut haben. Bei der nach­fol­gen­den Dis­kus­si­ons­run­de wur­de das Motiv von Woy­zecks Tat wei­ter ergrün­det, eini­ge chi­ne­si­sche Zuhö­rer schie­nen sich mit der Hand­lung ein­ge­hend beschäf­tigt zu haben.

Am Sams­tag stand der letz­te Pro­gramm­punkt der Kul­tur­wo­che an. Auf Ange­bot der Uni fuh­ren wir an einem recht unge­müt­li­chen und sehr reg­ne­ri­schen Herbst­tag mit dem Bus zum Shichahai-Theater, wo eine Kungfu­vor­stel­lung statt­fand. Durch die Show führ­te ein sehr süßes (nicht ech­tes) Pan­da­pär­chen. Die Dar­bie­tun­gen waren sehr beein­dru­ckend und zeig­ten Ele­men­te von vie­len ver­schie­de­nen chi­ne­si­schen Kampf­küns­ten, inklu­si­ve dem Zer­bre­chen zwei­er Eisen­stan­gen auf dem Kopf.

Die Fotos geben hof­fent­lich einen Ein­blick, zei­gen aber ver­mut­lich nicht die auf­wen­di­ge Gestal­tung, die Dyna­mik und die Geschich­te. Denn natür­lich will das Pan­da­pär­chen gern Kungfu ler­nen und ent­deckt, dass eigent­lich in jedem Chi­ne­se ein Kungfu­meis­ter steckt.

Zwischenprüfung und neue Lehrbücher

Nach­dem wir uns im Chi­ne­sich­un­ter­richt zwei Mona­te lang neu­es Wis­sen ange­eig­net haben, steht nun gera­de die Über­prü­fung unse­res Erfol­ges dabei an — kurz gesagt: Wir haben Zwischenprüfungen.

Am ver­gan­ge­nen Frei­tag­mor­gen stand für uns bei­de die Prü­fung im „nor­ma­len Unter­richt” (Gram­ma­tik und Voka­beln) an. Außer­dem habe ich am Don­ners­tag bereits „Lesen und Schrei­ben” hin­ter mich gebracht. Uns bei­de erwar­tet noch „Spre­chen”, wo wir einen zwei­mi­nü­ti­gen Mono­log zu einem von drei The­men vor­tra­gen dür­fen, und „Hör­ver­ständ­nis”.

Obwohl also noch eini­ge Prü­fun­gen aus­ste­hen, geht es mit dem Unter­richt ganz nor­mal wei­ter. Da wir im  nor­ma­len Unter­richt das ers­te Lehr­buch bereits durch­ge­ar­bei­tet haben, geht es am Mon­tag direkt mit der ers­ten Lek­ti­on aus dem zwei­ten Band wei­ter. Dar­in geht es um die „Selbst­ret­tung eines Esels”. Das hat den Vor­teil, dass man das Zei­chen 驴 (Esel) lernt und damit die Restau­rants erkennt, die Esel­fleisch anbie­ten. Eines davon gibt es auch in unse­rer Nach­bar­schaft, aber das haben wir uns bis­her nur von außen angeschaut.