Archiv für den Monat: Januar 2013

Ganz alleine in den Bergen

Die Stadt Peking an sich ist extrem flach. Das kann man unter ande­rem dar­an sehen, dass die größ­te Erhe­bung im Zen­trum der wäh­rend der Bau­zeit des Kai­ser­pa­las­tes auf­ge­schüt­te­te Koh­le­hü­gel ist. Außer­halb des fünf­ten Rings jedoch erhe­ben sich an drei Sei­ten Ber­ge, die höchs­ten sind höher als 2000 Meter.

Bis­her hat es uns meist nur in die Ber­ge im Nor­den ver­schla­gen, durch die die Gro­ße Mau­er ver­läuft. Ges­tern jedoch waren wir im Wes­ten unter­wegs und haben uns das zir­ka 100 Kilo­me­ter ent­fern­te Chuan­di­xia (川底下) ange­se­hen. Die­ses Dorf war frü­her eine Pfer­de­wech­sel­sta­ti­on und besteht fast aus­schließ­lich aus klei­nen Höfen, die noch heu­te wie damals aus­se­hen sol­len. Wei­ter­hin haben sich an vie­len Häu­ser­wän­den noch die Losun­gen aus der Kul­tur­re­vo­lu­ti­on erhalten.

Fast wich­ti­ger als das Dorf war uns jedoch die Land­schaft drum­her­um. Nach­dem wir uns einen Tem­pel etwas ober­halb des Dor­fes ange­se­hen hat­ten, sind wir einem Pfad neben die­sem Tem­pel gefolgt. Die­ser wur­de zwar immer unweg­sa­mer, aber irgend­wie ging es immer wei­ter in die Ber­ge. Wäh­rend das Dorf im Som­mer sehr über­lau­fen sein soll, waren wir dort fast die ein­zi­gen Tou­ris­ten. Und in den Ber­gen waren wir dann voll­kom­men allei­ne, ohne irgend­je­man­den in Sicht- oder Ruf­wei­te — ein in Peking unbe­kann­ter Zustand. Zumal bei schöns­tem son­ni­gen Win­ter­wet­ter und kla­rer Luft.

Irgend­wann sind wir dann auf einer nicht mehr benutz­ten Berg­stra­ße her­aus­ge­kom­men, der wir zurück ins Dorf gefolgt sind. Dort haben wir noch in einem der frei zugäng­li­chen Höfe bei einer Fami­lie etwas geges­sen. Schließ­lich hat uns unser in Peking ange­heu­er­ter (inof­fi­zi­el­ler) Taxi­fah­rer wie­der zurück in den Pekin­ger Kes­sel gefah­ren, wo an die­sem Tag deut­lich schlech­te­res Wet­ter war.

Eisskulpturen und Tiger in Harbin

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de haben wir die ers­te grö­ße­re Rei­se unse­res aktu­el­len Chi­na­auf­ent­hal­tes unter­nom­men und sind ins 1000 km nord­öst­lich gele­ge­ne Har­bin (哈尔滨) gefah­ren. Obwohl wir nur drei Tage dort waren, haben wir fast alle war­men Sachen bei uns gehabt, denn bei minus 25 Grad tags­über sind meh­re­re Schich­ten Klei­dung ein­fach notwendig.

Ande­rer­seits war die Käl­te auch der Grund unse­rer Rei­se, denn wir woll­ten das Eis­skulp­tu­ren­fes­ti­val (冰雪大世界) mal mit eige­nen Augen sehen. Das ist uns auch gelun­gen und die beleuch­te­ten Eis­blö­cke und die geform­ten Schnee­fi­gu­ren waren ein tol­ler Anblick. Eini­ge der vie­len Eis­ge­bäu­de hat­ten an ihren Sei­ten auch Eis­rut­schen, auf denen man ohne jedes Hilfs­mit­tel viel Spaß haben konnte.

Ein wei­te­rer Höhe­punkt war der Besuch im Tiger­park (东北虎林园), in dem rund 300 Sibi­ri­sche Tiger leben und eini­ge auf ihre Aus­wil­de­rung vor­be­rei­tet wer­den. Auf einer Art Safa­ri mit dem Bus durch die ein­zel­nen Gehe­ge konn­te man zahl­lo­se Tiger aus nächs­ter Nähe betrach­ten und als es spä­ter Essen­zeit war, beka­men wir mehr als 50 Tiger auf einem Hau­fen zu sehen.

Außer­dem haben wir uns die Innen­stadt mit ihrem rus­si­schen Ein­fluss ange­schaut, einen Tem­pel besich­tigt und sind durch einen geschlos­se­nen Ver­gnü­gugs­park spa­ziert, in dem mit 110 Metern das größ­te Rie­sen­rad Asi­ens ste­hen soll.

Zwi­schen den Akti­vi­tä­ten waren wir immer wie­der Essen und Kaf­fee trin­ken, nicht unbe­dingt immer wegen des Hun­gers oder Dursts, son­dern oft auch ein­fach nur zum Auf­wär­men. Dabei waren wir ein­mal auch in einem ori­gi­nal rus­si­schen Restau­rant essen, in dem wir aus Neu­gier mehr als nötig bestellt haben und wes­we­gen wir uns danach — erschwert durch die vie­len Schich­ten Klei­dung — nur noch müh­sam bewe­gen konnten.

Eine sehr außer­ge­wöhn­li­che Bege­ben­heit war die fol­gen­de: Auf dem Weg zum oben erwähn­ten Tem­pel haben wir bei­de zusam­men mit zwei Mit­rei­sen­den auf ein Taxi gewar­tet. Lan­ge Zeit ver­geb­lich, denn irgend­wie woll­te uns kei­nes mit­neh­men. Aber irgend­wann park­te eine Frau hin­ter uns, stieg aus, und frag­te, wo wir denn hin woll­ten. Sie hat dann ange­bo­ten, uns kos­ten­los zu dem Tem­pel zu fah­ren. Wie­so wis­sen wir noch immer nicht so wirk­lich, viel­leicht woll­te sie ein­fach nur eine Run­de dre­hen. Auf alle Fäl­le hat­ten wir in ihrem roten, fast neu­en 3er BMW eine sehr ange­neh­me und kos­ten­lo­se zir­ka 20 minü­ti­ge Taxifahrt.

Pekinger Luft

Am ver­gan­ge­nen Wochen­en­de waren wir im weit ent­fern­ten Har­bin, wor­über wir noch berich­ten werden.

Wäh­rend wir aller­dings in Har­bin waren, hat es unse­re aktu­el­le Hei­mat­stadt Peking ganz groß in die deut­schen Medi­en geschafft. Grund war die schlech­te Luft­qua­li­tät, denn ent­spre­chend der Mes­sun­gen gab es am Sams­tag mit einer Fein­staub­be­las­tung von über 800 Mikro­gramm pro Kubik­me­ter Luft einen neu­en Rekord.

Wir sel­ber waren wie gesagt an den wohl schlimms­ten Tagen nicht in der Stadt. Als wir am Diens­tag­mit­tag wie­der hier ange­kom­men sind, war es sicher­lich kei­ne beson­ders gute Luft, aber auch nicht unbe­dingt beson­ders schlecht. Am Mitt­woch war der Wert schon wie­der auf unter 100 gesun­ken, was bedeu­tet, dass die Fein­staub­be­las­tung inner­halb von vier Tagen pro Kubik­me­ter Luft um 700 Mikro­gramm zurück­ge­gan­gen ist. Das war mit Sicher­heit auch ein neu­er Rekord, nur lei­der haben die deut­schen Medi­en dar­über nicht berichtet.

Rutschpartie

Ich habe das Ski­fah­ren und Snow­boar­den schon eine Zeit lang ver­misst, weil wir in Deutsch­land in den letz­ten drei Jah­ren irgend­wie nicht dazu gekom­men sind. Somit war der Aus­flug am letz­ten Wochen­en­de des Jah­res 2012 für mich ein beson­de­res Weih­nachts­ge­schenk, was ich so schnell wahr­schein­lich nicht ver­ges­sen wer­de. Wer hät­te schon geglaubt, dass man sich gera­de in Peking den Wunsch nach Ski­fah­ren erfül­len kann!

Das Wet­ter hier in der Stadt ist zwar kalt, aber viel zu tro­cken, von Neu­schnee also kei­ne Spur. Als ein Mit­stu­dent uns frag­te, ob wir Lust hät­ten einen Ski­aus­flug zu machen, haben wir gleich zuge­sagt. Grund dafür war aber eher Neu­gier als die Über­zeu­gung ein wirk­li­ches Ski­ge­biet vor­zu­fin­den. Im Gegen­teil: Ich war sehr skep­tisch, was uns dort erwar­ten wür­de, immer­hin ent­deckt man in Chi­na die­se Sport­art gera­de erst neu. Umso schö­ner war es nach einer 1,5 stün­di­gen Bus­fahrt in Nans­han (im Nord­os­ten von Peking) anzu­kom­men und ein rich­ti­ges Ski­ge­biet vor Augen zu haben. Sicher ist es von der Grö­ße nicht mit dem Ötz­tal, Warth und Co. zu ver­glei­chen, aber um sich auf einen tol­len Ski­tag zu freu­en, reich­te es trotzdem.

Alles ist per­fekt orga­ni­siert: Man kann die kom­plet­te Aus­rüs­tung von Ski­bril­le, Hose, Jacke bis hin zu den eigent­li­chen Ski­ern und Snow­boards aus­lei­hen. Die Aus­leih­ge­bühr liegt bei ca. fünf Euro (zzgl. einer Kau­ti­on von ca. 25 Euro). Nach dem Umzie­hen, kann man sei­ne eige­nen Sachen in einem eige­nen Schrank ver­stau­en und dann kann es auch schon losgehen.

Für jedes Level gibt es eine pas­sen­de Pis­te. Wider mei­ner Erwar­tung, dass es noch nicht ganz so vie­le Pro­fis geben kann, kam man schnell ins Stau­nen: Schan­zen und ande­re Sprung­ele­men­te blie­ben nicht unbe­nutzt. Beson­ders die Snow­boar­der beein­druck­ten mich mit ihren Kunst­stück­chen sehr.

Dage­gen waren wir doch recht ängst­lich und freu­ten uns ohne Sturz die ein oder ande­re Kur­ve zu dre­hen. Ins­ge­samt war es ein sehr schö­nes Erleb­nis, noch dazu war das Wet­ter traum­haft schön, wenn auch ab dem Nach­mit­tag ein eisi­ger Wind blies.

Ein gesundes neues (Sonnen-)Jahr

Nach­dem nun über­all das Jahr 2013 begon­nen hat, wün­schen wir allen ein gesun­des neu­es Jahr, in dem hof­fent­lich jeder das erreicht, was er sich vor­ge­nom­men hat (oder noch vor­neh­men wird).

Bei uns ist der Jah­res­wech­sel wie erwar­tet sehr ruhig ver­lau­fen, denn das aktu­el­le Jahr im chi­ne­si­schen Kalen­der geht noch bis zum 09. Febru­ar. Am Abend waren wir erst zu zweit korea­nisch essen und danach haben wir mit Ste­fa­nies Klas­sen­ka­me­ra­den auf das Ende des alten und den Beginn des neu­es Jah­res gewar­tet. Kurz nach eins sind wir dann nach Hau­se, denn schließ­lich woll­ten wir uns heu­te wei­ter auf die bevor­ste­hen­den Prü­fun­gen vorbereiten.

Etwas Beson­de­res für das neue Jahr haben wir uns nicht vor­ge­nom­men. Flei­ßig ler­nen kann natür­lich nie scha­den — und das haben wir auch heu­te schon ganz gut umge­setzt. Außer­dem wol­len wir hier noch vie­le neue Orte ent­de­cken und von unse­rem Leben wie­der etwas aktu­el­ler berichten.

Ansons­ten sind wir gespannt, was das Jahr noch so brin­gen wird, vor allem ob wir das nächs­te Sil­ves­ter dann in Mitt­wei­da, Peking, Tian­jin (alpha­be­tisch geord­net, nicht dass irgend­je­mand etwas hin­ein inter­pre­tiert) oder ganz wo anders verbringen.