Archiv für den Monat: Februar 2013

Wieder zurück in der Hauptstadt

Wie die Über­schrift schon ver­rät, haben wir Peking zwi­schen­zeit­lich mal hin­ter uns gelas­sen und waren in Chi­na unter­wegs. Dabei waren wir nicht allein, denn wir haben vier Per­so­nen Besuch aus Deutsch­land: mein Bru­der und sei­ne Freun­din sowie ein befreun­de­tes Pärchen.

Nach ein paar Tagen gemein­sam in Peking sind wir letz­ten Frei­tag nach Shang­hai gestar­tet, wo wir das Stan­dard­pro­gramm unter ande­rem mit Bund und Yuyu­an absol­viert haben.

Am Sonn­tag­abend sind wir dann wei­ter nach Luoyang gereist, wo wir die Longmen-Grotten sowie den Shaolin-Tempel am Songs­han besich­tigt haben.

Heu­te nun sind wir wie­der in Peking ange­kom­men. Hier wer­den wir ver­su­chen ihnen einen Ein­blick in unse­re aktu­el­le Umge­bung zu geben. Und das noch bis Diens­tag, wenn sich unser Besuch hof­fent­lich mit vie­len schö­nen Erfah­run­gen wie­der auf den Weg nach Deutsch­land macht.

Wie Weihnachtsmarkt nach Weihnachten

Das neue Jahr ist bereits fast eine Woche alt und damit geht die „Tem­pel­fest­sai­son” so lang­sam zu Ende. Ein Tem­pel­fest (庙会) ist wie der Name schon sagt ein Fest in einem Tem­pel, man kann das wohl am bes­ten mit einem deut­schen Weih­nachts­markt ver­glei­chen. Nur, dass der Weih­nachts­markt nach Weih­nach­ten statt­fin­det, denn die meis­ten Tem­pel­fes­te haben vom Neu­jahrs­tag bis zum 6. Tag des neu­en Jah­res geöffnet.

Wie wir bereits berich­tet haben, waren wir am Neu­jahrs­tags zum Tem­pel­fest im Taor­an­ting­park. Drei Tage spä­ter, am 4. Tag des Jah­res, waren wir aus dem glei­chen Anlass im Alten Som­men­pa­last (圆明园). Auf­grund sei­ner Grö­ße war der Tru­bel dort nur im vor­de­ren Teil der Anla­ge, so dass man zwi­schen­durch in den bei­den hin­te­ren Tei­len auch etwas Ruhe fin­den konnte.

Ges­tern, am 6. Tag des Jah­res, waren wir mit Wieb­ke und Fami­lie gemein­sam im Dong­yue­miao (东岳庙), einem tao­is­ti­schen Tem­pel, den wir bereits 2007 zum Früh­ling­fest besucht haben. Wie damals sind wir satt und mit jeder Men­ge klei­ner Ein­käu­fe wie­der nach Hau­se gegan­gen, um das Glück im neu­en Jahr etwas her­aus zu fordern.

Damit sind zwar die Tem­pel­fes­te zu Ende, das Früh­lings­fest aber noch nicht ganz, denn das dau­ert tra­di­tio­nell noch bis zum Later­nen­fest (元宵节) am 15. Tag des neu­en Jah­res. Das hilft den meis­ten Ange­stell­ten aber nicht unbe­dingt, denn für die­se beginnt das neue Arbeits­jahr bereits an die­sem Wochenende.

Neujahrsaktivitäten

Nach dem üppi­gen Essen wäh­rend der Fest­ta­ge — das kennt man ja auch aus Deutsch­land — lockt es vie­le Fami­li­en raus zu Spa­zier­gän­gen. Nicht sel­ten ist eins der zahl­rei­chen Tem­pel­fes­te das Ziel. Auch wir haben uns am Neu­jahrs­tag zu solch einer Ver­an­stal­tung auf­ge­macht, und zwar im Taoranting-Park (陶然亭公园), der im Süden der Stadt liegt. Die­sen Park hat­ten wir uns vor­her noch nicht ange­schaut und da er beson­ders wäh­rend des Tem­pel­fes­tes emp­foh­len wird, haben wir die Gele­gen­heit gleich beim Schop­fe gepackt.

Im Gegen­satz zu den lee­ren Stra­ßen in unse­rem Wohn­ge­biet, zeig­te sich im Park wie­der das gewohn­te Bild: End­lich waren wie­der ein paar mehr Leu­te unter­wegs und an unzäh­li­gen Stän­den gab es jede Men­ge zu erle­ben und zu kau­fen. Der Park besteht aus einem gro­ßen See und einer Insel — fast könn­te man mei­nen, es ist der gro­ße Bru­der vom Mitt­weida­er Schwa­nen­teich — die ein­zel­nen Tei­le des Par­kes sind durch vie­le Wege und Brü­cken ver­bun­den. Dank der anhal­ten­den Minus­tem­pe­ra­tu­ren wer­den ver­schie­dens­te Win­ter­sport­ak­ti­vi­tä­ten ange­bo­ten wie zum Bei­spiel Schlitt­schuh­lau­fen, Rei­fen­rut­schen oder Eis­schlit­ten­fah­ren. Für uns war es umso inter­es­san­ter die Leu­te bei ihrem gemein­sa­men Neu­jahrs­aus­flug zu beob­ach­ten. Mein Favo­rit war die Ver­stei­ge­rung von chi­ne­si­scher Male­rei: Zwei Mädels hal­ten das zu ver­stei­gern­de Bild, ein chi­ne­si­scher Ver­käu­fer mit Head­set preist die Zeich­nun­gen an und treibt den Preis meist bis auf 90 Yuan. Wer meh­re­re kau­fen woll­te oder noch auf sein Wunsch­mo­tiv war­te­te, konn­te es sich ein­fach auf einem der Plas­tik­ho­cker „gemüt­lich” machen und das Spek­ta­kel gespannt verfolgen.

Am zwei­ten Tag des Jah­res wur­den wir zum Essen ein­ge­la­den, das war für uns eine beson­de­re Freu­de. Dabei ging es uns nicht um das Essen an sich, son­dern um die Gele­gen­heit an einem Fami­li­en­es­sen anläss­lich des neu­en Jah­res teil­zu­neh­men. Wir waren mit Wieb­ke und Fami­lie im Nor­den Pekings in einem Jurten-Restaurant, das war ein ein­zig­ar­ti­ges Erleb­nis. Die­ses „Restau­rant” besteht aus vie­len ver­schie­de­nen Jur­ten, es gibt gro­ße und klei­ne, mon­go­li­sche und kasa­chi­sche, die sich alle etwas in ihrer Form unter­schei­den. Das Essen hat auch regio­na­le Ein­flüs­se: So gab es zum Bei­spiel Milch­tee, Käse und Lamm­fleisch. Bei den lecker zube­rei­te­ten Gerich­ten und dem zar­ten Lamm­fleisch wur­de ich, die eigent­lich nicht gern Schafs­fleisch ist, zum Essen „ver­führt” und für das Pro­bie­ren belohnt. 🙂

新年快乐 — das Jahr der Schlange hat begonnen

In der Nacht vom Sams­tag auf Sonn­tag war es soweit, mit dem zwei­ten Neu­mond nach der Win­ter­son­nen­wen­de (wer es genau­er wis­sen möch­te liest hier nach) hat das neue chi­ne­si­sche Jahr der Schlan­ge begonnen.

Bereits in den Wochen zuvor war es ruhig gewor­den in Peking. Nach und nach hat­ten alle Gar­kü­chen und klei­nen Läden geschlos­sen, da sich vie­le Chi­ne­sen auf den Weg zu ihren Fami­li­en gemacht haben, um mit ihnen gemein­sam das Früh­lings­fest zu fei­ern. Dadurch hat Peking im Moment auf alle Fäl­le ein paar Mil­lio­nen weni­ger Bewoh­ner als nor­ma­ler­wei­se, man­che Quel­len mei­nen sogar die Hälf­te der rund 20 Mil­lio­nen Ein­woh­ner wäre im Moment unterwegs.

Auf alle Fäl­le sind die Stra­ßen im Moment wie leer gefegt. Als wir vor­ges­tern, am Sil­ves­ter­abend, unter­wegs waren, gab es für uns ein recht unge­wohn­tes Bild: Zum einen war fast jeder zwei­te Pas­sant ein Aus­län­der. Und zum ande­ren waren die Chi­ne­sen, die unter­wegs waren, größ­ten­teils mit ihren Fami­li­en spa­zie­ren. Dass gan­ze Fami­li­en gemein­sam an der Stra­ße ent­lang schlen­dern sieht man hier sonst eigent­lich gar nicht, hat aber ver­mut­lich gera­de dadurch etwas Fest­tags­cha­rak­ter vermittelt.

Den Jah­res­wech­sel an sich haben wir ver­sucht so chi­ne­sisch wie nur mög­lich zu ver­brin­gen. Zunächst waren wir am Nach­mit­tag noch ein­mal ein paar Klei­nig­kei­ten ein­kau­fen, vor allem ein Glücks­zei­chen mit vier Schlan­gen für unse­re Woh­nungs­tür und ein Glücks­zei­chen mit allen zwölf Jah­res­tie­ren für unser Zimmer.

Am Abend haben wir Jiao­zi gebaut und uns neben­bei die chi­ne­si­sche Sil­ves­ter­ga­la im Inter­net ange­schaut. Kurz vor Mit­ter­nacht sind wir dann raus zur nächst grö­ße­ren Kreu­zung, wo wir in alle vier Him­mels­rich­tun­gen einen guten Blick auf die zahl­rei­chen Feu­er­wer­ke hat­ten. (Die Fotos sind noch aus der Woh­nung aufgenommen.)

Seit Jahren mal wieder im Mittelpunkt der Stadt

Am Frei­tag sind wir seit Jah­ren mal wie­der am Platz des Himm­li­schen Frie­dens gewe­sen, denn obwohl wir mitt­ler­wei­le schon wie­der mehr als 5 Mona­te in Peking leben, hat­ten wir es bis­her nicht bis zum Mit­tel­punkt der Stadt geschafft.

Wir haben uns aber nicht nur ein­fach so auf dem Weg gemacht, son­dern um uns die Aus­stel­lung zur Stadt­pla­nung Peking (北京市规划展览馆) und das Dazha­lan (大栅栏) genann­te Gebiet süd­lich des Qian­men ein­mal anzu­se­hen. Die Aus­stel­lung zur Stadt­pla­nung dreht sich — wie der Name schon ver­rät — um die Fra­ge, wie­so Peking heut­zu­ta­ge so aus­sieht wie es aus­sieht und wie es in Zukunft aus­se­hen soll.

Bereits im Ein­gangs­be­reich gibt es eine Bron­ze­ar­beit des Reli­efs von Peking, die zeigt, wie Peking an drei Sei­ten von Ber­gen umschlos­sen ist. Neben vie­len Kar­ten gibt es auch vie­le Model­le von ver­schie­de­nen Tei­len Pekings zu sehen. Eine der Haupt­at­trak­tio­nen ist ein Modell Pekings im Maß­stab 1:1750, das einen Groß­teil des Stadt­ge­bie­tes inner­halb des vier­ten Rings abdeckt.

Wie­der drau­ßen — im rich­ti­gen Peking 1:1 — sind wir am Qian­men, dem Tor am Süd­ende des Plat­zes des Himm­li­schen Frie­dens, vor­bei wei­ter nach Süden gegan­gen. Dort befin­det sich die Dazha­lan, eine alte Ein­kaufs­stra­ße, die wir uns ange­schaut haben. Vie­le Häu­ser in die­sem Gebiet, vor allem an der Stra­ße direkt süd­lich des Qian­men, sind aber nicht ori­gi­nal, son­dern „im alten Stil wie­der auf­ge­bau­te” Gebäude.