Archiv für den Monat: April 2013

Viel unterwegs

In die­ser Woche waren wir viel unter­wegs und es scheint so, als wür­de sich das noch zwei Wochen fort­set­zen. Wobei es da einen klei­nen Unter­schied gibt: Wäh­rend wir letz­te Woche an ver­schie­de­nen Ver­an­stal­tun­gen in Peking teil­ge­nom­men haben, zieht es uns in den kom­men­den 14 Tagen (trotz Unter­richt) wei­ter weg.

Zunächst war ich (Ste­fa­nie muss­te noch einen Dia­log aus­wen­dig ler­nen) am ver­gan­ge­nen Mitt­woch zum monat­li­chen Stamm­tisch, bei dem sich Deut­sche tref­fen, die in Peking arbei­ten bzw. stu­die­ren. Dabei gab es auch einen kur­zen Vor­trag zum The­ma „Expat-Reisen”, bei dem ver­schie­de­ne Rei­se­zie­le inner­halb Chi­nas vor­ge­stellt wur­den. Inter­es­san­ter­wei­se haben wir abge­se­hen von der Hima­la­ya­über­que­rung (von Lha­sa nach Kath­man­du) schon alle ande­ren der vor­ge­stell­ten Rei­se­zie­le mehr oder weni­ger besucht.

Don­ners­tag­nach­mit­tag haben wir dann mit der AHK einen Aus­flug in Rich­tung Flug­ha­fen zu Ame­co Bei­ing gemacht. Die­se Fir­ma wur­de vor über 20 Jah­ren von Air Chi­na und Luft­han­sa gegrün­det und küm­mert sich um die Instand­hal­tung von Flug­zeu­gen. Zu sehen gab zum einen die Hal­le, in der die Flug­zeug­mo­to­ren über­holt wer­den, zum ande­ren aber auch den Flug­zeug­han­gar direkt am Roll­feld des Flug­ha­fens, in dem die Flug­zeu­ge ihre Sicher­heits­checks und Über­ho­lun­gen bekom­men. Da die Hangar­tür gera­de offen war, konn­te man hin­ter dem Roll­feld das Ter­mi­nal 3 des Flug­ha­fens sehen und hät­te an sich ein­fach so hin­über lau­fen kön­nen. (Wobei sich aber kurz außer­halb des Han­gars eine gel­be Linie befin­det, nach deren Über­schrei­tung man wohl recht bald mit der Flug­ha­fen­po­li­zei Bekannt­schaft macht.)

26042013900Am Frei­tag muss­ten wir dann das Unige­län­de nicht mal ver­las­sen, denn die „gro­ße wei­te Welt” hat­te sich auf dem Bas­ket­ball­platz der Uni ein­ge­fun­den, und zwar in Form eines Kul­tur­fes­tes. Bei die­sem gaben Stu­den­ten aus über 50 Natio­nen in über 100 Pavil­lons jeweils einen klei­nen Ein­blick in ihr Land. Neben­bei wur­de auf der Büh­ne über meh­re­re Stun­den Gesang und Tanz gebo­ten. Am deut­schen Stand konn­te man sich, eben­so wie an vie­len ande­ren, die deut­sche Flag­ge auf die Wan­ge malen las­sen. Und obwohl der deut­sche Stand an sich nicht beson­ders war, war die deut­sche Flag­ge auf alle Fäl­le am häu­figs­ten auf den Gesich­tern der Besu­cher zu sehen. Wir sel­ber haben auch etwas mit gehol­fen, indem wir eini­ge unse­rer Kom­mi­li­to­nen, dar­un­ter einen Fran­zo­sen, einen Ame­ri­ka­ner und einen Nie­der­län­der zu einer sol­chen Kenn­zeich­nung über­re­det haben. Ich habe mir außer­dem noch eine argen­ti­ni­sche Flag­ge zuge­legt, da die zwei Argen­ti­nie­rin­nen, die ihr Land ver­tra­ten, im ers­ten Semes­ter in mei­ner Klas­se waren.

Abschlie­ßend noch ein paar Sät­ze zu unse­ren kom­men­den Aus­flü­gen: Von Diens­tag bis Sams­tag die­ser Woche sind wir mit Wieb­ke und Fami­lie in Nan­dai­he. Wir wer­den ver­mut­lich viel Zeit am Strand ver­brin­gen, möch­ten aber ger­ne auch nach Shan­hai­gu­an zum öst­li­chen Ende der Gro­ßen Mau­er, wo die­se im Meer endet.

Am Mitt­woch der kom­men­den Woche set­zen wir uns dann ins Flug­zeug nach Urum­qi, um uns vier Tage lang eini­ge Orte ent­lang der Sei­den­stra­ße anzu­schau­en. Dabei geht es unter ande­rem auch nach Jiayu­gu­an, wo sich das Westende der gro­ßen Mau­er befin­det. Von bei­den Rei­sen wird es im Anschluss sicher­lich eini­ges zu berich­ten und auch eini­ge Fotos zu sehen geben.

Nur noch ein halbes Semester Chinesisch

Auch wenn wir es hier immer nur am Ran­de erwähnt haben, läuft unser Chi­ne­sisch­un­ter­richt bereits wie­der seit zwei Mona­ten. Und zwei Mona­te haben wir auch noch vor uns, sprich wir sind bereits in der Mit­te unse­res (ver­mut­lich letz­ten) Semes­ters (als Stu­den­ten) angelangt.

Nach­dem wir im letz­ten Jahr in unter­schied­li­chen Klas­sen im höchs­ten Anfän­ger­kurs („Upper Ele­men­ta­ry”) gelernt haben, sind wir jetzt bei­de bei den Fort­ge­schrit­te­nen gelan­det. Wäh­rend ich in die nächs­te Stu­fe „Lower Inter­me­dia­te” gewech­selt bin, hat Ste­fa­nie die­se über­sprun­gen und lernt jetzt in „Inter­me­dia­te”.

Im Fort­ge­schrit­te­nen­le­vel sind nur noch 5 Dop­pel­stun­den pro Woche vor­ge­ge­ben, den Rest (bis zu ins­ge­samt maxi­mal 10 Dop­pel­stun­den) durf­ten wir uns sel­ber wäh­len. Des­we­gen lernt Ste­fa­nie jetzt unter ande­rem auch „Gespro­che­nes Wirt­schaft­s­chi­ne­sisch” und ich dage­gen „Kon­ver­sa­ti­on”. Außer­dem bele­gen wir bei­de „All­tags­gram­ma­tik” und sit­zen da auch das ers­te Mal über­haupt in der glei­chen Klasse.

Anders als bei den Anfän­gern gibt es für die Fort­ge­schrit­te­nen offi­zi­ell kei­ne Zwi­schen­prü­fun­gen. Wie gesagt — offi­zi­ell. Denn wir sind gera­de mit­ten in den Zwi­schen­prü­fun­gen, jeweils mit schrift­li­chen Tests im all­ge­mei­nen Unter­richt und in Gram­ma­tik sowie mit Dia­lo­gen im Sprachunterricht.

Heiliger Berg und heiliger Ort

Unse­re klei­ne Rei­se in die Pro­vinz Shan­dong liegt nun schon mehr als zwei Wochen zurück, trotz­dem wol­len wir noch ein paar Zei­len zu unse­ren Erleb­nis­sen vor Ort schrei­ben. Nach einer etwa fünf­stün­di­gen Bus­fahrt von Don­gy­ing, wo am 31. März die Hoch­zeit statt­fand, sind wir gut in Tai’an ange­kom­men. Bereits auf der Fahrt bei schöns­tem Früh­lings­wet­ter konn­te man schon die Ver­än­de­run­gen des Land­schafts­bil­des sehen. Bis schließ­lich in Tai’an das gesam­te Berg­pan­ora­ma ein­schließ­lich des hei­li­gen Ber­ges Tai vor uns lag.

Am Tag danach haben wir in aller Ruhe die 6660 Stu­fen zum Gip­fel des Berg Tai erklom­men. Die letz­ten Höhen­me­ter auf den ca. 1500 m hohen Berg raub­ten uns dann doch etwas Kraft. Oben ange­kom­men konn­te man aber schon etwas stolz auf alle umlie­gen­den Gip­fel schau­en. Da der Son­nen­auf­gang auf dem Gip­fel als beson­ders wich­tig und sehens­wert gilt, haben wir auf dem Gip­fel übernachtet.

Nach dem Auf­ste­hen gegen 5.30 Uhr konn­ten wir sehen, dass es wirk­lich ein beson­de­res Erleb­nis sein muss, denn über Nacht ist die Anzahl der „Gip­fel­stür­mer” um eini­ges gestie­gen, so dass auf dem Gip­fel nicht wirk­lich hei­li­ge Ruhe herrsch­te, son­dern man um einen Platz mit guter Aus­sicht kämp­fen muss­te. So vie­le Men­schen hat­ten wir wirk­lich nicht erwar­tet, eini­ge hat­ten sogar über Nacht gezel­tet, das hat­ten wir in Chi­na so noch nicht erlebt. Als sich dann aber die Son­ne aus dem Dunst des Tales erhob, war es doch ein sehr bewe­gen­der, anmu­ti­ger Moment.

Nach einem aus­gie­bi­gen Früh­stück auf unse­rem gemein­sa­men Käm­mer­lein haben wir uns an den Abstieg gemacht. Lei­der muss man sagen, dass das Abstei­gen auf den stei­len Trep­pen­stu­fen noch etwas anstren­gen­der war, als das Auf­stei­gen, noch dazu stie­gen tau­sen­de Chi­ne­sen mit uns hin­ab. Nach einer Wei­le ver­teil­ten sich die Men­schen­men­gen und es wur­de ein rich­tig schö­ner, fast som­mer­li­cher Wan­der­tag. Ab der Mit­tel­sta­ti­on sind wir dann die etwas abge­le­ge­ne­ren Rou­te, die teil­wei­se sehr ein­sam durch den Wald ver­läuft, gegangen.

Am nächs­ten Tag haben wir noch Qufu, die ehe­ma­li­ge Wohn­stät­te Kon­fu­zi­us’ besucht. Neben dem Kon­fu­zi­us­tem­pel gab es also auch die Wohn­an­la­ge im tra­di­tio­nel­len Stil zu sehen. Das war für uns sehr inter­es­sant, auch wenn nicht mehr alles ori­gi­nal erhal­ten ist.

Per Schnell­zug ging es dann wie­der zurück nach Peking: 500 km in etwas mehr als zwei Stun­den, wirk­lich beein­dru­ckend. Ins­ge­samt war der klei­ne Aus­flug ein wei­te­res tol­les Erleb­nis, das wir nicht mis­sen wollen.

Hochzeit auf Chinesisch

Vor mitt­ler­wei­le etwas mehr als einer Woche haben wir etwas Beson­de­res und zugleich auch sehr Bewe­gen­des erlebt. Bereits im letz­ten Jahr hat uns ein ehe­ma­li­ger Mit­stu­dent, mit dem wir gemein­sam unser ers­tes Jahr in Peking ver­bacht haben, zu sei­ner Hoch­zeit ein­ge­la­den. Die Hei­mat sei­ner Freun­din liegt in Don­gy­ing, in der Pro­vinz Shan­dong ca. 350 km süd­öst­lich von Peking, wo auch die Fei­er stattfand.

Anläss­lich der Hoch­zeit waren auch vie­le deut­sche Fami­li­en­mit­glie­der und Freun­de ange­reist, somit ging es gemein­sam mit unge­fähr 20 ande­ren Gäs­ten am Sams­tag in Rich­tung Don­gy­ing. Und zwar im Schlaf­bus — das hat­ten wir vor­her auch noch nicht erlebt.

In Don­gy­ing ange­kom­men wur­den wir gleich mit einem üppi­gen Abend­essen ver­wöhnt und konn­ten danach bei der Pro­be für den gro­ßen Tag dabei sein. Das Ja-Wort hat­ten sich die zwei bereits Ende letz­ten Jah­res gege­ben, aber bei der offi­zi­el­len Fei­er soll­ten nun mehr als 500 Gäs­te Zeu­ge einer sehr bewe­gen­den Zere­mo­nie wer­den und den bei­den die bes­ten Wün­sche für das gemein­sa­me Ehe­glück mit auf den Weg geben.

Bereits im Mor­gen­grau­en haben wir uns am nächs­ten Tag auf den Weg zum Eltern­haus gemacht, wo der Bräu­ti­gam die Braut gemäß chi­ne­si­scher Tra­di­ti­on aus­lö­sen muss­te. Zuerst wur­den wir mit auf­rich­ti­ger Freu­de von den Eltern, allen Nach­barn und Freun­den in die Woh­nung gelei­tet, wo es lecke­re Jiao­zi in Unmen­gen gab und noch flei­ßig her­ge­stellt wur­den. Pünkt­lich 6.58 Uhr traf dann der Bräu­ti­gam auf dem roten Tep­pich vor dem Haus ein. Bis zum Ein­tritt in die elter­li­che Woh­nung muss­te die ein oder ande­re Hür­de genom­men wer­den. Im Zim­mer der Braut ange­kom­men, muss­ten auch noch die Schu­he der Braut gesucht wer­den, um sie schließ­lich der Braut anzu­zie­hen. Als Ver­spre­chen die Frau immer auf Hän­den zu tra­gen, wur­de die Braut auch bis zum Auto getra­gen. Nach einer fast ein­stün­di­gen Stadt­rund­fahrt ging es zurück ins Hotel, wo dann die Zere­mo­nie stattfand.

Musik, Fotos, Video­bot­schaf­ten, Reden und Ges­ten, alles war ein­fach per­fekt und sehr bewe­gend. Alle Abläu­fe der Hoch­zeit fol­gen recht stren­gen Regeln, deren Bedeu­tung wir lei­der nicht nicht in vol­lem Maße ver­ste­hen. Natür­lich durf­te neben dem üppi­gen Mit­tag­essen auch der chi­ne­si­sche Schnaps nicht feh­len. Dass wir Mit­tags­schlaf machen, ist wirk­lich sel­ten, doch an die­sem Nach­mit­tag war es ein­fach nötig. Abends gab es gleich wie­der ein gemein­sa­mes Abend­essen und im Anschluss ging es direkt in die Karao­ke­bar. Im eige­nen Raum wur­de bis spät in die Nacht gesun­gen, getanzt und kräf­tig gefei­ert. Und dem noch nicht genug: Als letz­te Sta­ti­on wur­de noch ein klei­nes Restau­rant angesteuert.

Der letz­te Tag in Don­gy­ing begann erst gegen Mit­tag, trotz­dem soll­te er nicht min­der span­nend wer­den. Mit ein paar Autos ging es zur Mün­dung des Gel­ben Flus­ses ins Meer. Auf der Fahrt dort­hin konn­ten wir bereits vie­le Ölför­der­pum­pen sehen und dann noch eine per ein­spu­ri­ger Fahr­bahn erreich­ba­re För­der­an­la­ge auf dem Meer. Das Mün­dungs­ge­biet wur­de in ein Natur­re­ser­vat ver­wan­delt, wo vie­le ver­schie­de­ne Vogel­ar­ten zu beob­ach­ten sind. Es weh­te ein rau­er Wind, wodurch es fast etwas Ähn­lich­keit mit der Nord­see hatte.

Zum Abschluss gab es noch ein gemein­sa­mes Hotpot-Essen, bei dem wir ein­mal mehr viel zu viel geges­sen haben. Ins­ge­samt war es ein groß­ar­ti­ges Erleb­nis, wel­ches wir so schnell wohl nicht wie­der ver­ges­sen werden.